Begonnen hat das Ganze als Märchensammlung, daher das „m“. Märchen aus eigener Hand war die Intention. Nachdem es dann mehr und mehr wurden, habe ich eine Zählnummer hinzugefügt, damit Interessierte wissen ob es etwas Neues gibt.
Da die Sache relativ gut vorangeht, habe ich mich nunmehr entschlossen, daraus einen „Zyklus“ mit dem Titel „Am Ende steht der Tod“ zu gestalten. Schauen wir einmal…. Ach ja und Märchen sind es wohl auch nicht wirklich.
Alle Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind reiner Zufall.
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Treffpunkt 48°33’53.34’’ N 14°57’31.66’’ E …
…eine unwahre wahre Geschichte.
… so hatten wir es zuletzt mit unseren Freunden vereinbart.
Und heute am 24.März 2069 war es so weit. Unsere Freundesrunde hatte ebenso vereinbart, dass wir uns am Vormittag so gegen 08:00 Uhr an diesem Treffpunkt treffen werden.
Wir, das sind Kurt der Erzähler, seine Elisabeth und eine Runde Freunde, Bekannte, die uns teilwiese schon seit Jahrzehnten begleiten. Wir hatten die Nacht in unseren Schlafkapseln verbracht und uns eine Extraration Sauerstoff verpasst, denn der Ausflug den wir heute vorhatten, war nicht ganz ungefährlich und sicher auch anstrengend. Unser Morgencheck im Bodyscanner war sehr positiv verlaufen, alle körpereigenen Aggregate waren in bester Ordnung und unser Homerobot Gucki hatte uns mit einem formidablen Frühstück – in Tablettenform – versorgt.
Nach dem Abruf und der Einnahme unserer normalen Medikamente gab es noch ein paar Injektionen in Vorbereitung auf unsere Ausflugsziele. Heute nahmen wir unsere neuen spacigen Anzüge samt Helm und gingen zu unserem Heli-Jet. Dieses Ding war der helle Wahnsinn, flog wenn es sein musste Mach2 und konnte trotzdem wie ein Heli landen und starten. Die Tagesziele hatten wir schon am Tag zuvor über die Konsolen in unserer Station eingegeben und ab ging die Post.
Die Erdatmosphäre war ziemlich ungeniessbar geworden und vieles rundherum hatte sich zum Nachteil verändert. Wir gingen selten mehr nach draußen und wenn, dann nur mehr mit Atemgerät und Maske. Manchmal auch mit einem kompletten Anzug, da in verschiedenen Gegenden die Luft sehr aggresiv geworden war, speziell dort wo es diese Flüssigkeit gab, die wir damals Wasser nannten.
Es gab aber auch Positives zu vermelden, denn die Medizin war enorm fortgeschritten und es gab eigentlich keine Krankheiten mehr. Eigentlich, sage ich aus dem Grund, denn natürlich riefen die Abertausenden von chemischen Verbindungen die in der Luft lagen, immer wieder epidemische Krankheiten und Seuchen hervor. Aber in kürzester Zeit hatten die Labors schon Gegenmittel und damit hatte sich die Sache. Am allermeisten hat Karin davon profitiert, denn die Ärmste hatte über 40 Jahr unter ihrer MS gelitten und heute ist sie nicht wirklich gesund, aber beschwerdefrei.
Unsere Freunde Ingrid, Maria, Christa, Karin und Renate (noch immer solo) samt Anhang Paul, Gerhard, Walter und Gerhard1 wollten gemeinsam mit uns heute eine Gegend aufsuchen, die man seinerzeit das Waldviertel genannt hat.
Und wir haben zwei besondere Gründe warum wir uns heute dort treffen wollten, das eine ist, dass unser guter Bekannter Andreas samt seiner Familie gestern von einer Expedition zurückgekommen ist und der zweite nicht unwesentliche Grund: es ist heute unser letzter Lebenstag.
Alles ist schon programmiert und heute werden meine Elisabeth und ich, uns ein letztes Mal gemeinsam niederlegen und keinen gemeinsamen Morgen mehr erleben. So haben wir es uns vor vielen Jahren versprochen und so wollen wir es nun halten. Damals war noch die Rede davon, dass wir an meinem 125sten Geburtstag bei Rot Hand in Hand über die Strasse gehen, aber das würde heute niemand mehr kratzen, denn da tut sich kaum mehr was. Außer ein paar Sonderkommandos die Jetteile zusammenklauben ist da nichts mehr los und dementsprechend sehen die Strassen auch aus.
Genauer gesagt hatten wir vor uns in GroßGerungs zu treffen, einen Rundgang zu machen und danach nach Zwettl zu jetten. Wenn möglich die Stiftskirche und die Orangerie zu besuchen und je nach Luft-und Wetterlage danach nach Schloss Hof zu fliegen, dort zu Mittag zu essen und uns die Ausstellung von Klimt anzusehen und danach zu uns, zu einem schönen Abschlußessen, zu fliegen.
Die Aussentemperatur war mit -34°C selbst für unsere Gegend ziemlich kalt und für das Zielgebiet hatten wir heute beim Frühstück schon -52°C in Zwettl abgelesen. Aber dies machte uns keine Angst, denn unsere Superanzüge mit integrierter Heizung machten das alles wett.
Viel unangenehmer für unsere Augen war da schon eher mitansehen zu müssen, dass der Schnee, der ja noch immer vom Himmel kam, bei uns Fliederfarben zur Erde sank während er in anderen Gegenden ganz andere Farben – je nach den ortlich vorherrschenden chemischen Verbindungen – hatte.
Und nach zwei Tagen überall dunkelgrau wurde, was natürlich global eine Katastrophe bedeutete,
denn es wurde von Jahr zu Jahr kälter und, in nicht mehr all zu ferner Zeit, würde alles unter einer riesigen Eisschicht verschwinden. Da halfen auch die riesigsten Atomkraftwerke nichts, es wurde unaufhörlich kälter.
Dabei hatte man uns damals vor sechzig, siebzig Jahren noch prophezeit, dass wir eine Klimaerwärmung kriegen und die Erdatmosphäre sich unaufhörlich aufheizen wird. Doch das genaue Gegenteil ist daraus geworden und inzwischen ist wohl allen klar, dass wir einer neuen Eiszeit entgegengehen.
Fast die Hälfte der Menschheit hatte diese 69 Jahre des neuen Jahrtausends überstanden, aus den 8 Milliarden im Jahr 2018 waren inzwischen knapp 4 Milliarden geworden. Viele Männer waren unfruchtbar und die Familien hatten keinen Bock Kinder in diese versaute Welt ohne Zukunft zu setzen.
Überall waren riesige TV-Wände aufgestellt und zeigten Bilder einer Zeit als die Erde noch der blaue oder auch grüne Planet genannt wurde. Von dem war heute nicht mehr viel übrig geblieben, denn die Flora glänzte in allen Farben, nur keinen natürlichen, mehr.
Die Luft war voll von Helis jeder Art, dazwischen jede Menge sogenannter EinMann-oder auch EinFrauRaketenanzüge, als wir starteten. Die Luft war ziemlich voll davon, doch nach ein paar Minuten waren wir fast alleine in der Luft und landeten am vereinbarten Treffpunkt.
Man konte den Schutzfilter fast nicht wegschalten so grell waren die Farben die dieser Landstrich hier abstrahlte. Manche Gegenden sahen von oben aus, als hätte man Aufnahmen mit einer Wärmebildkamera gemacht.
Eine schon sehr eigenartige und verfremdete Form dessen, mit dem wir aufgewachsen waren. Die nunmehr unreparablen Eingriffe des Menschen in die Natur und die Mißachtung jeglicher Vernunftsregeln hat uns diese Gegenwart beschert und ich mag gar nicht an die Zukunft denken.
Gleich nach dem Verlassen des Helis hatte ich meinen PDA abgefragt und gesehen, dass bis auf Renate alle anderen innerhalb weniger Minuten eintreffen würden.Renate hatte wieder einmal Probleme mit ihrem Raketenanzug, aber sie liebte ihn trotzdem heiß und inniglich, nur er dankte es ihr nicht.
Ich hatte schon begonnen eine Route zu skizzieren und hatte sie den anderen Teilnehmern gesandt. So konnten wir sofort losgehen und Renate würde – wo immer wir sind – nachkommen und dann direkt zu uns stoßen.
Schon ein wenig mühsam die Fortbewegung in den Anzügen, doch die Klimatisierung war hervorragend, man kam eigentlich nicht ins Schwitzen und auch sonst besaßen die eine Menge Features die auch das Gehen auf unterschiedlichster Bodenbeschaffenheit fast zum Vergnügen werden liessen.
Mittels Bordfunk hatte sich jetzt Andreas gemeldet und teilte uns mit, dass er soeben mit Anhang gelandet ist und in Kürze zu uns aufschliessen wird. Als ich ihn fragte wie das denn gehen soll, teilte er nur mit: „Wirst schon sehen“.
Und wirklich wenige Augenblicke später war er mit seiner Astrid zur Stelle und verblüfft starrten wir auf ihre palettenartigen Geräte die sie ähnlich wie Snowboards an ihren Füßen hatten und mit deren Hilfe sie sich ziemlich flott fortbewegten.
Und wie immer hatte Andreas auch an die anderen gedacht und für alle solche Landscaper mitgenommen und somit stand der vergnüglichen und flotten Fortbewegung nichts mehr im Wege und vor allem die waren so etwas von geländegängig, dass es eine Freude war. Gott sei dank war die Schneedecke nur sehr dünn, denn sonst hätten wir auf der Strasse rollen müssen. Nach einigen Hoppalas hatten es alle heraussen und wir scapten flott durch die Gegend.
Ein einziges Mal sahen wir die Gegend so wie ich, wie wir sie in seliger Erinnerung hatten, nämlich so:
Wir alle lüfteten kurz unsere Lichtfilter und man konnte erkennen, dass den meisten eine kleine Träne in den Augen saß. Es war herrlich und ich freute mich unendlich zum Abschluß noch so etwas erleben zu dürfen und dies auch noch im Kreise unserer liebsten Freunde. Elisabeth und ich, wir umarmten uns und ich spürte selbst durch die vielen Schichten unserer Anzüge die innigliche Liebe die uns umgab.
Und Andreas gelang es als Meister der Fotografie – unter Aufbietung all seiner Filter – mit seiner Helmkamera diese beiden Bilder zu produzieren:

Mitten in die Übertragung der Bilder auf unsere Helmscreens platzte die Meldung des Avatars, der uns über die Wettersituation informierte und die verhieß nichts Gutes. Er vermeldete nämlich, daß innerhalb der nächsten halben Stunde eine grössere Unwetterfront über das Gebiet ziehen würde.
Wir checkten uns kurz und machten kehrt um zu unseren Helis zurückzukehren. Nach wenigen Metern hatte uns die Unwetterfront eingeholt und eingehüllt und zwar so:



Ja das war es dann leider mit unserem Ausflug ins Waldviertel, ab in die Helis und auf nach Langenzersdorf zum gemeinsamen „letzten Abendmahl“.
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Träumen wird man noch dürfen …
Carsten Holzer war angetan von der jungen Frau, die sich soeben bei ihm vorgestellt hatte. Er kannte dieses Gesicht, aber woher ? So sehr er sich auch den Kopf zerbrach, er kam nicht drauf.
Da holte ihn das Telefon aus seinen Träumen. „Agentur Sabrina Bluepoint, Carsten Holzer“ war seine Ansage. „Hallo Heinz, was kann ich für Dich tun?“ seine sofort gestellte Frage als er sein Gegenüber an der Stimme erkannte. Heinz war Heinz Droeger, einer seiner grössten Auftraggeber.
Vor langer Zeit waren sie gemeinsam nebeneinander in der Klasse gesessen, aber nie wirkliche Freunde gewesen. Dann waren die Droegers woanders hingezogen und sie hatten sich aus den Augen verloren. Etliche Jahre später hatten sie sich dann in einer Disco in Solingen wieder getroffen und waren recht gute Freunde geworden. Beide hatte es beruflich ins bergische Land getrieben. Der Heinz verwaltete als Geschäftsführer eine richtig grosse Spedition für seinen Vater und Carsten war gerade eben mal wieder arbeitslos geworden.
Es war ja wirklich zum Haareraufen, da hatte er bei einem renommierten Unternehmen angeheuert und wollte und sollte da das Marketing auf eine neue Schiene stellen. Eine riesengrosse Herausforderung für den damals knapp 24jährigen. Der Stuhl unter seinem Hintern war noch gar nicht warm geworden, da wurde das Unternehmen von Österreichern übernommen und er war seinen Job wieder los, d.h. das Probemonat wurde nicht verlängert. Ihm wurde da irgend etwas von Tochter übernimmt Mutter erzählt, er verstand nur Bahnhof und noch bevor der erste Österreicher einen Fuss ins Haus gesetzt hatte, war er draussen.
Allerdings waren ihm schon die Augen übergegangen als er das erste Mal das Haus betrat und überall auf den Gängen sich der Teppich wellte und tonnenweise die Ordner auf den Gängen und Stiegen standen.
Dies bekam er erst mit, als er das Haus betrat, denn alle Gespräche hatten in einer Wohnung in der Fussgängerzone Solingens stattgefunden.
Trotzdem hielt ihn das nicht ab, an eben jenem Abend in ein Dancing zu gehen, mit der Vorgabe sich eine bergische Braut aufzureissen. Ja und er tat dies auch sofort und heftig bei einer seiner Meinung nach extrascharfen Puppe und er war für die kurze Werbezeit schon relativ weit gekommen, denn seine Fingerspitzen waren vom Rücken seitwärts bis zum Brustansatz gekommen und die Lady zuckte mit keiner Wimper. Man unterhielt sich über dies und das. Sabrina nahm auch Whisky wie er, ja und so kam man sich eben näher und er liess inzwischen auch die Hände sprechen.
Gerade als er im Begriff war die sanften Rundungen zu erobern, hörte er eine tiefe Stimme ziemlich laut sagen: „Du Knilch, nimm die Hände von meiner Braut und verpiss dich, sonst hau ich dir eine auf die Fresse“ Fresse hatte er noch mitbekommen, dann verspürte er einen ziemlich heftigen Schlag ins Gesicht und dann verspürte er nichts mehr. Ein Schwall Wasser war das Nächste was er wieder mitbekam. Und nachdem sich die Sterne vor seinen Augen gelichtet hatten und sein Blick wieder halbwegs klar die diversen Umrisse umsetzen konnte, erkannte er den Droeger. Noch etwas benommen faselte er „Heinz, bist du es ?“
Er war es. Die Sabrina war inzwischen weg, aber das war eigentlich nicht mehr Thema. Beide begannen fast gleichzeitig zu reden und zu reden und zu reden und wenn sie nicht redeten, dann tranken sie und um 04:30 wurden sie in eine Taxe gesetzt und zur Wohnung von Heinz gebracht. Carsten wollte weiterfahren, doch Heinz bestand darauf, dass er mit hoch kam.
Carsten bekam nichts mehr mit, denn kaum waren sie in der Wohnung angelangt, fiel er der Länge nach hin und schlief sofort ein. Er bekam nicht mehr mit wie Sabrina, auch nackt eine scharfe Braut, dem Heinz half, sich aus dem Gewand zu schälen und auch der mehr unter- als bewusst handelte. Nur einmal quietschte sie laut auf, nämlich als er sie in den Po zwickte. Aber dann war sofort Totenstille, nur die tapsenden Schritte von Sabrina waren noch zu hören. Aber weder Heinz noch Carsten waren in der Lage irgendwelche Wahrnehmungen zu machen.
Es war so gegen 10 Uhr am Morgen, Carsten lehnte nackt mit roten, blutunterlaufenen Augen am Türstock eines der Zimmer und konnte sich anscheinend an der schlafenden Sabrina nicht sattsehen. Und während er da so lehnte und genüsslich alle Körperrundungen von Sabrina aufsaugte, kam schwankend, aber doch Heinz hinzu und lehnte sich an die andere Seite des Türstocks und versuchte den Blicken von Heinz zu folgen. Nach einigen stillen Momenten sagte Heinz dann: „Wollen wir sie gemeinsam ficken?“ und ging auf das Bett zu, in dem Sabrina lag. Einer rechts, der andere links liessen sie sich ins Bett fallen und griffen nach Sabrina. Die zuckte hoch, schrie: „Ihr Schweine“, sprang auf und war weg. Nur wenige Augenblicke später klickte die Wohnungstür und es war anzunehmen, dass sie weg war.
Die beiden sahen sich an, lachten fast hysterisch auf und waren auf der Stelle eingeschlafen.
Was danach kam, bezeichnen Beide auch heute noch als die schlimmste Zeit ihres Lebens. Es waren knapp drei Monate wie im Vollrausch. Feste, Parties, Mädchen, Prostituierte, Schnaps, Bier, Wein und andere rauscherzeugende Substanzen wurden konsumiert. Bis eines Tages ein älterer Herr in der Wohnung von Heinz saß und mit glasklarer Stimme zu seinem Sohn sagte: „Das Unternehmen ist den Bach runter. Ich habe soeben den Konkurs eingeleitet. Hier ist ein Ticket, du kannst es nehmen und den Dingen folgen oder du bist enterbt und ich kenne dich nicht mehr“ Er hatte kaum ausgesprochen, das Ticket auf den Tisch gelegt, da knackte auch schon leise die Eingangstür und er war weg.
Heinz ging zum Tisch blickte in das Ticket, nahm es an sich und sagte zu Carsten gewandt: „Mach damit was du willst“, warf ihm den Wohnungsschlüssel zu und auch er war unter Hinterlassung eines leisen Knackgeräusches weg.
In Sekundenschnelle war Carsten nüchtern geworden und liess die letzten zehn Minuten noch einmal Revue passieren. Er holte sich eine Jacke, nahm die Autopapiere und Autoschlüssel die am Kamin lagen und auch er verliess die Wohnung mit einem leisen Knackgeräusch.
Wochen später traf er Sabrina rein zufällig und aus den Beiden wurde innerhalb kurzer Zeit ein verliebtes Pärchen. Carsten verkaufte Auto und Wohnung von Heinz und gründete eine Agentur, die Agentur Bluepoint und er hatte sich geschworen, dieses Geld seinem Freund Heinz eines Tages wieder zurückzugeben.
So recht und schlecht, immer so knapp am Rande des Bankrotts, zuckelte er mit seiner Agentur dahin, denn es fehlten ihm Grosskunden. Da brachte ihm Sabrina eines Tages einen Grossonkel und einen Bruder ihres Vaters vorbei und scheinbar gefiel den Beiden die Arbeit von Carsten so gut, dass sie nach einigen Terminen ihre Werbekampagnen von Blupoint gestalten liessen. Als die Sache rundlief, hatte Carsten fünf Angestellte und Geld genug mit Sabrina einen tollen Urlaub in der Karibik zu verbringen.
Solche Vergnügungsurlaube haben aber auch ihre Tücken und das etwas enthemmte Leben brachte es mit sich, dass Sabrina schwanger wurde. An und für sich kein Thema, doch Carsten hatte ganz andere Dinge im Kopf als Vater werden, Kinder schaukeln oder ähnliches. So kam es, nach einigen heftigen Auseinandersetzungen, dass sich die Beiden wie viele andere Paare auch, trennten.
Um über die Sache hinwegzukommen konzentrierte Carsten alle seine Kräfte auf Bluepoint. Was dem Unternehmen und auch seiner Person sehr gut tat. Die Agentur wuchs rasant und er beschäftigte so gut und gerne zwischen 120 und 150 MitarbeiterInnen, war also einer der Grossen seiner Zunft geworden. Allerdings Sabrina war und blieb wie vom Erdboden verschwunden. Er sorgte sich schon und selbst eine Detektei die er beauftragt hatte wurde nicht fündig.
Inzwischen war auch Heinz Droeger einer seiner Kunden geworden und durchaus ein zufriedener Abnehmer von Carsten Holzer’s Arbeiten.
Beide waren zu sogenannten Grandsigneurs geworden, was ihnen, beide ja Anfang der Fünfzig, auch gut stand. Beide waren nicht verheiratet, trotzdem keine Kostverächter, aber ohne die Klatschspalten damit zu füllen.
Carsten Holzer stand vor dem grössten Deal seines Lebens, denn er wollte die doppelt so grosse Agentur Abendrot übernehmen. Mit im Boot sein Freund Heinz Droeger. Damit würde die Agentur zu einer der Weltgrössten werden und auch global wirken. Das einzige Problem momentan bestand nur in der Namensgebung, denn alle Beteiligten bestanden darauf, dass der Name des Anderen nicht am neuen Unternehmen stehen darf. Da die Führungcrew von Abendrot lauter vergleichsweise junge Hupfer waren, wollte Carsten etwas Schwung in die Sache bringen und hatte aus diesem Grund die halbe Disco „47/13“
gemietet und erhoffte sich da die entscheidenden Ideen zu erhalten.
Die Jungen würden wohl bei der Affenmusik längere Ausdauer zeigen als er und so hatte er eine Reihe seiner Miarbeiter, vor allem Innen, als Aufheizer ins Rennen geschickt, bevor er und eventuell auch Heinz nachkommen würden.
Als sie so nach Mitternacht dort ankamen, war die Stimmung bereits bestens. Alle gut drauf, bestens gelaunt und shakten sich weg. Der zündende Funke allerdings fehlte noch.
Er bat Heinz mit ihm an die Bar zu kommen, denn er wollte endlich seine Schulden begleichen und darauf ein Glas, oder auch zwei, Champagner trinken. Und während sie sich so durch die Massen schlängelten blitzte auf einmal das Gesicht der jungen Frau vom heutigen Vorstellungsgespräch auf und noch einmal. Da fuhr es ihm durch den Kopf, ja natürlich, das war Sabrina. Er wartete bis Heinz da war und versuchte ihm bei dem unsäglichen Lärm, mitzuteilen, was denn er zu dem Gesicht sagte. Es bot sich nicht gleich die Gelegenheit sie zu sehen, aber dann eins, zwei, drei Mal und Heinz schrie es aus Leibeskräften: „S-A-B-R-I-N-A“.
Der Name für die Agentur war gefunden und er würde sie anfänglich Sabrina nennen und nach einiger Zeit Sabrina Bluepoint. Heinz und Carsten waren begeistert und nach einem kurzen Telefonat mit der Gegenseite war auch der Deal perfekt.
Carsten wusste gar nicht wie ihm geschah, im Zeitraffer lief sein Lebensfilm ab und er sah alle Meilensteine wieder. Er war nur happy und war schon gespannt, was jetzt gleich sein Kumpel Heinz sagen würde.
Als sie an der Bar angekommen waren, war schon Platz gemacht worden, der Champagner stand parat und die Überraschung war serviert. Der Barkeeper gab Carsten ein Mikrophon und im nächsten Moment war die Musik aus. Carsten wartete einen Moment bis die tanzende Menge zur Ruhe gekommen war und erklärte in kurzen Worten den Grund für die Unterbrechung. Danach schilderte er hollywoodreif und in bewegenden Worten die Geschichte der Beiden und bedankte sich bei Heinz und gab ihm den Einsatz nun in Form von drei echten Goldbarren zurück. Dieser war perplex und keines Wortes fähig. Er stand nur da und schüttelte den Kopf. Als Carsten fertig war brandete Beifall auf, die Musik setzte wieder ein und der Trubel ging weiter.
Am Morgen liess sich Carsten von seiner Sekretärin die Telefonnummer der jungen Frau geben, rief sie an und vereinbarte unter fadenscheinigen Gründen einen sofortigen Termin. Es war zu seiner Erleichterung möglich.
Als die junge Frau da war, liess er sie in das Spezialzimmer bringen. Ein Raum ähnlich wie bei der Polizei bei den Opfer-Verbrecher-Gegenüberstellungen. Und er stand da, sah sie an und alle Erinnerungen wurden wieder wach. So eine frapante Ähnlichkeit. Er klopfte an und trat ein und sprach sie unumwunden auf das Thema an und sie gab unumwunden zu, dass ihre Mutter sehr wohl Sabrina geheissen hat, aber in Bolivien gelebt und dort einen Clemens Schultze geehelicht hatte. Die Ehe ging aber nach ein paar Monaten auseinander.
In Carsten keimten erste Hoffnungen. Ihre Mutter sei aber vor acht Jahren Opfer eines Verkehrsunfalles geworden, erzählte die junge Frau weiter. Carsten schnürte es die Kehle zusammen, als er dies hören musste. Sie wurde von ihrer Grossmutter hier in Deutschland grossgezogen.
Carsten musste jetzt die Kurve kriegen, sonst würde er jetzt und sofort zu heulen anfangen und er entschied sich dafür: „Liebe Teresa, entschuldigen sie, dass ich sie so anrede, aber es könnte durchaus sein, dass ich ihr Vater bin“ Teresas Augen wurden noch grösser als sie ohnehin waren, doch die Unbekümmertheit wich ein wenig. Carsten erzählte ihr die ganze Geschichte und was er vorhatte. Von DNA-Untersuchungen und allem möglichen Zeugs war die Rede und er schloss mit: “Und daher kann ich sie momentan nicht einstellen, erst wenn die Fakten klar sind, einverstanden ?“ Teresa nickte und langsam füllten sich ihre Augen mit kleinen funkelnden Tränen.
Carsten gab ihr die Hand, am liebsten hätte er sie jedoch ans Herz gedrückt und als er das Zimmer verliess murmelte er: „Träumen wird man noch dürfen“
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5.Mai
Ein wundervoller Morgen, dachte Andreas Fleischmann als er um 5 Uhr 30 am Balkon stand und sich streckte. Ausser ein paar Vögel die ihren Morgengesang anstimmten, war nur entfernt Autoverkehr zu hören. Einfach himmlisch, dachte er bei sich.
Heute war ein sehr wichtiger Tag, denn eine kanadisch-amerikanische Delegation wurde erwartet, es ging um ein Riesengeschäft, das zumindest für die nächsten fünf Jahre bestimmend sein konnte und einer Option auf Fortsetzung. Der Termin war ihm so wichtig, dass er sogar seinen Kontrolltermin im Spital verschoben hatte.
Als er dann knapp nach sieben Uhr sein Büro betrat, konnte er wieder den wunderschönen blauen Himmel sehen. Eine wahre Freude und heute strahlte er ganz besonders, fand er. Er zog trotzdem die Gardinen vor um nicht abgelenkt zu werden. Und wie das Amen im Gebet, er hatte noch nicht einmal seinen Schreibtisch erreicht, läutete das Telefon. Oft schon hatte er sich gedacht, ob da irgendwo ein Auslöser angebracht ist. Aber eigentlich hatte er die Rezeptionistin im Verdacht, dass die die Leute informierte.
Aber egal, er hatte sich daran gewöhnt, es war halt einmal so. So hob er denn ab, es war sein Mitarbeiter aus Ungarn, der ihm da von einem Problem berichtete. Und während er da so telefonierte, wuchs hinter ihm ein Schatten zu bedrohlicher Grösse. Es war der Leiter der Qualitätssicherung, der Stadler, der ihm da beträchtlich nahe kam und mit leichtem Kopfschütteln und schwerwiegender Miene, anscheinend an seiner Nominierung zum Ifland-Ring arbeitet. Fleischmann deutete ihm vehement, er möge sich trollen oder aber zumindest seinen Intimbereich verlassen.
Dieser ging zwar zwei Schritte zurück, aber als Fleischmann wieder zum Telefon griff, machte er neuerdings drei Schritte nach vor. Das war ihm denn doch zuviel, Fleischmann deckte den Hörer mit der Hand ab und sagte zu Stadler gerichtet: “Stadler jetzt reichts, schleichen sie sich, ich komme zu ihnen.” Er musste die zwei, drei Telefonate noch führen, ad eins um den letzten Produktionsstand zu haben und ad zwei seine Mitteilungen abzusetzen, damit ja alles in Ordnung ging. Aber er konnte sich auf seine Mitarbeiter schon verlassen, noch nie hatten sie ihn diesbezüglich enttäuscht. Manchmal, wenn er sie zu oft gecheckt hatte, kam die Frage, ob auch die hässlichen MitarbeiterInnen ausgetauscht werden sollten, damit alles schön genug sei. Und ebenso die prompte Meldung, kein Problem, wenn sie gerne ab morgen ohne Job sein wollen. War schon ein hartes Stück Arbeit gewesen, die Burschen so weit zu bringen. Auch sich die Glaubwürdigkeit zu erkämpfen, die er heute hatte, war harte Arbeit gewesen. Doch heute wussten sie, wenn der Fleischmann eine Zusage machte, dann hatte die Gültigkeit. Man musste zwar manches Mal über Gebühr warten, aber eines Tages war es so weit und auch immer so, wie sie es vereinbart hatten. Doch auch wenn er nein sagte, war das so. Er blieb dabei, selbst wenn Rotz und Wasser geweint wurde.
Selten aber doch zuckte er aus, wenn einer der oberen Etage wieder einmal das Thema Sauberkeit in einem metallverarbeitenden Betrieb ansprach. Da war von Fliesen und Hygiene die Rede, das konnte ihn nur einen Lacher kosten. Er tat das Thema dann immer ab, in dem er sagte, er bräuchte dann 5 Fliesenleger die rund um die Uhr die kaputten Fliesen austauschen und außerdem sei man nicht auf der Prosektur.
Was schon acht Uhr. Er musste und wollte unbedingt in die Unterlagen seines Assistenten noch ein wenig Farbe bringen. Er war ein wirklich guter Mitarbeiter, aber erstens brachte er ganze Fabrikpläne auf eine Briefmarke und zweitens war ihm immens wichtig, dass alles in Grau oder in Grautönen gehalten war. Das brachte wiederum den Fleischmann auf die Palme, denn in dem Einheitsbrei fühlte er sich nicht wohl. Ihm war es am liebsten, wenn man die Dinge von zehn Metern eindeutig erkennen konnte. Und so war es auch heute, die einzelnen Produktsparten bekamen schon gedanklich eine Stammfarbe und die darunter liegenden wurden in Farbabstufungen eingefärbt. Genau, so stellte er sich das vor. Sie arbeiteten ja bestens zusammen und für Fleischmann war der Lange, wie er ihn nannte, der ideale Nachfolger. Hie und da hatten sie bei Mitarbeiterbeurteilungen auch die obligaten Auffassungsunterschiede, aber auch das wird sich einschleifen, er ist ja lernfähig. Obwohl einige Male war er damit schon kräftig auf die Schnauze gefallen.
Jetzt wird es aber Zeit. Das Haus füllte sich zusehends mit Leuten, man konnte es sehen, aber auch hören. Das Klingeln ungezählter Löffel beim Umrühren im Kaffee oder Tee war wie ein kleines Konzert. Ja und die neue Bürolandschaft machte ihn schon mächtig stolz. In der Zeit, in der er nun beim Unternehmen war, hatten sich die Produktionsmengen mehr als verdoppelt und Jahr für Jahr gab es zumindest ein Bauvorhaben. Einmal nur ein paar kleine Modifikationen, dann eine neue Halle im Überbau über ein alte Halle, damit die Produktion nicht zu sehr gestört wurde. Im Urlaub kam dann der Rest oder aber überhaupt ein komplett neues Werk, ob im In- oder Ausland überall stand Fleischmann drauf. Sein Chef und er waren die treibenden Kräfte und er der Mann fürs Detail und die grobe Kostenaufstellung. Der Chef war in jeder Phase dabei, gab das “go” und führte die meisten Endverhandlungen. Es gab zwar eine Menge von Einflüsterern, aber letzten Endes versteckten sie sich alle hinterm Chef. So oblag es dem Fleischmann, immer wieder die Terminkeule zu schwingen und aufzuzeigen, wenn irgendetwas zeitlich oder aber kostenmässig aus dem Ruder lief.
Heute würden sie ja das Meeting im neuen grossen Sitzungssaal abhalten, der eine richtige Spielwiese für Technikverliebte geworden war. Er war so richtig der Tupfen auf dem i geworden, alles vom Feinsten und würdiger Abschluss von zwei Jahren harter und intensivster Arbeit. Auch da hatte er sich wieder ein blaues Auge geholt, als er vor versammelter oberer Führungsriege “vom Chef seinem neuen Spielzeug” sprach. Da hatte er aber Schelte bekommen, die waren nicht ohne. Ja, das war auch so eine Spezialität von ihm, mitunter zum unrechten Zeitpunkt eine zwar richtige, aber jetzt doch unpassende Meldung zu schieben.Viele seiner zahlreichen Bonuspunkte machte er damit zunichte.
Das Telefon läutete, der Stadler war es. “Jessas na” dachte der Fleischmann “auf den hätte ich jetzt bald vergessen.” “Komm schon” schrie er ins Telefon, knallte den Hörer in die Muschel und lief schon aus dem Büro.
Dank der Glaswände konnte er schon von Weitem eine heftig gestikulierende Person sehen, die irgendetwas auf einem Tableau balancierte. Beim Näherkommen konnte er die Person als den Hamberger entziffern und dachte bei sich: “Nicht schon wieder der arme Hund.” Er schob die Glastüre auf und hatte kaum noch seinen Morgengruß in den Raum geschmettert, als der Hamberger, mit hochrotem Kopf, gestikulierend und fluchend an ihm vorbeischoss. Abschliessend schrie er: “Mit mir nicht mehr, ich habe genug von euch, ich gehe zu Gericht und dann werden wir ja sehen. Und sie, mit sie meinte er den Fleischmann, sie brauchen mir gar keine salbungsvollen Reden mehr halten, denn ich höre nie mehr auf sie.” Und weg war er.
Fleischmann sah den Stadler an und dieser deutete auf das am Boden stehende Tablett auf dem ein Paar Schuhe standen, randvoll mit Fett, höchstwahrscheinlich Vaseline. Im ersten Moment musste er Schmunzeln, als er aber bemerkte, dass ihn der Hamberger beobachtete, versuchte er durch starkes Kopfschütteln seinen Lachanfall zu tarnen. “So ein armes Schwein” war das erste Statement und gleich darauf nahm er sein Telefon und rief den Einkaufsleiter an und schilderte kurz die Ausgangslage, Gewieher am anderen Ende der Leitung war die Folge und erklärte was er sich vorstellte. “Kein Problem” kommt von der anderen Seite. Fleischmann bedankt sich und schreit nach dem Hamberger. Dieser hält ganz verdattert seinen Kopf aus dem Labor raus und meint: “Etwas weniger laut wäre mehr gewesen.” Fleischmann zu Stadler: “Bleiben sie wo sie sind, wir kommen“ und deutet Stadler mitzugehen. Der erklärt ihm ganz kurz was passiert war.
“Herr Hamberger” beginnt Fleischmann ”die Direktion hat keine Kosten und Mühen gescheut um das Ungemach ein wenig kleiner werden zu lassen, welches ihnen heute passiert ist. Damit sie sehen, dass wir es ernst meinen, brauchen sie erstens heute nicht zur Arbeit kommen – der Stadler riss die Augen auf – zweitens wird sie der Einkaufsfahrer schnurtstracks nach Hause bringen und drittens spendiert ihnen die Firma zwei paar – dieser zugegebenerweise – hässlichen Schuhe. Aber, dass sie mir jetzt nicht auf die Idee kommen und alle alten Schuhe mit Fett auffüllen” und grinste den Hamberger an. Auch der konnte sich nunmehr eines Lächelns nicht mehr verkneifen. Der Fleischmann gab ihm die Hand und sagte: “Danke.”
Fleischmann ging aus dem Labor und nach zwei Schritten hörte er den Hamberger sagen: “So ein Hund, hat er mich doch wieder gekriegt”, das freute ihn mehr als manch andere Belobigung.
Da sah er Frau Radenkovic , seine Sekretärin, kommen und sie deutete ihm er möge sich etwas sputen, denn, wie sie ihm auch gleich mitteilte, der Boss hätte ihn gerne noch vorher gesehen. “Und wo” war die logische Frage. “Das hat er mir nicht gesagt, denn er sass zum Zeitpunkt des Anrufes noch im Auto.”
Alles klar für Fleischmann, er kannte sich aus. Er fuhr hinunter und ging zur Garage und wartete. Eine gute Gelegenheit sich eine anzuzünden, kaum hatte er den Glimmstengel in Brand gesetzt, bog auch schon der Chef um die Ecke. Kurzes Kopfnicken und ein freundliches “Guten Morgen” und schon gab es ein paar Abfragen und natürlich die Frage: “Ob denn eh alles….?” “Nein, Chef es sieht aus wie bei den Schweinen, also so wie immer.” Ein gequältes, aber doch amüsiertes Lächeln war die Folge. Fleischmann begleitete den Alten, wie er ihn nannte, bis ins Büro und sie besprachen noch ein paar Punkte des heutigen Tages.” Oh nein, der ist aber heute aber wieder gut drauf, der Herr Kommerzialrat. So wollte er ja partout nicht genannt werden, denn das macht alt, meinte er. Also bis 10 Uhr 15” sagte der Alte und Fleischmann verliess die heiligen Hallen eiligen Schrittes.
Diese oberste Ebene des Bürohauses sah aus wie ein riesiges Aquarium, mit diversen einzelnen Unterabteilungen und manch einer hatte sich schon eine blutige Nase geholt oder sich mittels Stirnabdruck verewigt. Kopfwehtabletten gab es ja umsonst in der Rezeption.
Fleischmann klemmte sich gleich hier oben hinter einen der PC’s und begann zügig die geplanten Verschönerungen zu gestalten und schickte die Blätter auf den Superdrucker im Engineering. Die Radenkovic rief er an, dass sie die Blätter dort abholt und ihm dann heraufbringt.
Während er auf das Ready des Druckers wartete blickte er zum Fenster hinaus und konnte nur wieder feststellen, was für ein toller Tag heute war. Der Himmel hatte ein ganz eigenartiges und ungewöhnliches Blau heute.
Da kam auch schon die Radenkovic mit den Ausdrucken und er warf noch einmal einen Blick auf die Färbeaktion und überprüfte die Richtigkeit seier Arbeit. Alles bestens. Nicht bestens die Meldung die sie mitbrachte, denn der Ludwig hatte angerufen und mitgeteilt, dass es bei der letzten Lieferung schon wieder Viskositätsprobleme bei den Lacken gibt und zwar wieder ganz unterschiedlicher Natur.
Er spürte wie in ihm die Wut hochkam und er sagte zu ihr: “Tanja rufen sie den Piswanger an und bestellen sie ihn für 13 Uhr 30 und sagen sie dem Kerl er soll sich warm anziehen und er soll sich ja nicht trauen, nicht aufzutauchen. Die einzige Entschuldigung die ich akzeptiere ist sein Tod.” Sie sah ihn verblüfft an, aber so ist er halt. Sie konnte sich noch immer nicht an seine sehr zahlreichen und gerne zitierten Sprüche gewöhnen. Und sie war schon einigermassen stolz mit ihm arbeiten zu dürfen, dies hörte sie immer wieder heraus, wenn sie mit anderen MitarbeiterInnen sprach. Sein Umgang war schon sehr rau, aber trotzdem immer herzlich. Wie hatte es vor kurzem ein Mitarbeiter anlässlich seiner Pensionierung so treffend formuliert: “Der Fleischmann ist der Einzige den ich kenne, der dir das Arschlecken schafft und du lachst und sagst noch danke dazu.” Er verstand sich mit allen blendend und seinem Schmäh’ und Charme konnten nur die wenigsten widerstehen. Ausserdem war er nicht hinter jedem Kittel her und gab einem trotzdem das Gefühl Frau zu sein. Ihr selbst hatte er mächtig bei der Scheidung geholfen, hatte ihr die Fakten aus seiner Sicht glasklar vor die Nase gehalten und ihr zugeredet und letztendlich auch den mehrwöchigen Kanadaurlaub ermöglicht. Ein Chef so richtig zum Pferdestehlen, dachte sie so bei sich.
Es ging los. Der Alte bzw. sein Adlatus hatte angerufen und er organisierte den Stadler und dann rauschten sie nach oben ab. Nach dem üblichen Begrüssungszirkus und dem Austausch von Förmlichkeiten stellten sich die beiden Unternehmen vor. Die Rosinenbomber verteilten beiderseits alle Gutigkeiten und Erfolge mit schöner Gleichmässigkeit. Jeder war für sich der Grösste, der Beste in seinem Metier und überhaupt. Also konnte so eine Zusammenarbeit ja nur für beide Teile ein fruchtbringendes Geschäft sein. Es lagen auf allen Plätzen Blöcke und Bleistifte und standen Sodawasserflaschen, in allen Variationen, herum. Ebenso eine Menge an Notebooks, aber fast alle geschlossen. Einzig auf Handtücher hatte man allerdings vergessen, murmelte der Fleischmann, zum Abwischen von dem vielen Schmus, der da verteilt wurde und musste innerlich grinsen.
Endlich kam es zum interessanteren Teil der ganzen Angelegenheit, zu den geplanten Mengengerüsten im so genannten Fünfjahresplan, zu den Variationen und deren Handling durch und in der Produktion. Auch über die notwendigen Investitionen wurde gesprochen und deren Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeit der Verwirklichung. Da war der Fleischmann in seinem Element und liess abwechselnd die Zahlengebirge und die Hallenpläne Revue passieren, sodass alle ziemlich platt waren. Nach einer kurzen Kaffeepause ging es mit dem Stadler weiter.
Gerade als dieser die gute Zusammenarbeit loben wollte spürte Fleischmann plötzlich auf der linken Seite des Halses so ein leichtes Ziehen, nein eher ein Reissen. Mit einem Achselzucken aber war die Angelegenheit wieder vorbei und er konnte sich den Rosinen des Herrn Stadler widmen.
Es gab dann noch ein kurzes Resumee beider Verhandlungsleiter und man beschloss sich um 14 Uhr 30 wieder zu treffen, aber er kam sowieso erst später wieder zum Einsatz, da Technik, Einkauf und Verkauf dann an der Reihe waren.
Fleischmann ging schnurstracks in das nahegelegene Einkaufszentrum und holte sich seine, so heiß geliebte, Leberkäsesemmel und ging dann zurück in die Cafeteria und liess sich einen Schwarzen herunter und nahm am Meistertisch Platz. Das war die beste Gelegenheit, denn alle wichtigen produktionsnahen Mitarbeiter waren da versammelt und man konnte einen wahrhaft regen Austausch pflegen, aber genauso lief natürlich auch der Schmäh und das nicht zu knapp. So auch heute. Man hatte den Einkaufsleiter samt seiner Papierspezialistin gerade am Haken und alle bogen sich vor Lachen. So auch Fleischmann, doch dieser wurde durch einen heftigen Riss und ein plötzliches Rauschen im Hals unterbrochen, aber ebenso rasch wie es gekommen war, war es auch wieder vorbei. Ganz angenehm war ihm dabei aber nicht und so begab er sich kurz danach in sein Büro.
Ausserdem sollte ja der Piswanger bald kommen und da wollte er sich noch die Unterlagen heraussuchen und ihm die Rechnung präsentieren. Oft, vielleicht zu oft hatte er mit ihm schon geredet, doch ausser leeren Versprechungen war da nichts. Er hatte mit der Technik zusammen jetzt bereits für einen einwandfreien Ersatz gesorgt, der nur mehr auf ein Startzeichen wartete. So sah Fleischmann dem Gespräch gelassen entgegen, um so mehr als er auch die Freigabe hatte, dass bei Uneinsichtigkeit sofort die Sache den Gerichten übergeben werden darf. Da trat Frau Radenkovic auf den Plan und erzählte, dass der Piswanger angerufen hat und sich entschuldigen lässt, aber er wird zumindest eine Viertelstunde Verspätung haben und wenn es ganz schlecht geht, kann es sogar eine halbe Stunde werden. “Dies ist ja wohl die Höhe, aber das kommt ihn teuer zu stehen” grollte er so vor sich hin. Er dachte einen Moment daran, den Rechnungswert zu verdoppeln, denn Strafe muss sein und soviel Blödheit gehört bestraft. Aber im selben Moment war der Gedanke wieder verflogen, da er so gar nicht in das Fleischmann’sche Schema passte.
Da er jetzt nicht noch etwas Neues anfangen wollte, nahm er seinen PDA und schaute welche Informationen es denn für ihn gab und zündete sich eine Zigarette an. Es war die Zweiunddreissigste heute und ungezählte würden noch folgen. Da war die Radenkovic schon wieder in der Tür und sagte: “Der Piswanger ist da, ich hole ihn.” Etwas versnobt und mit leicht nasalem Ton antwortete er: “Tun sie, was sie nicht lassen können.” Sie schmunzelte und zischte ab.
Der Fleischmann fingerte wieder nach einer Zigarette und prompt fiel sie ihm zu Boden. Er bückte sich und streckte gerade die Hand aus, da fuhr ihm links ein Blitz durch den Hals und ein siedendheißer Stich fuhr ihm ins Hirn. Er war tot noch bevor er am Boden aufschlug. Sofort waren Leute da und riefen die Rettung. Der Piswanger konnte die Radenkovic gerade noch auffangen als sie ohnmächtig zu werden schien. Sie schrie und schrie: “Warum gerade er ?” Sie bekam keine Antwort mehr.
Der Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. Als Todesursache wurde Gehirnschlag eruiert, wahrscheinlich ausgelöst von einem Stück Plaque, welches sich höchstwahrscheinlich in der linken Carotis gelöst hatte.
Es hätte ihn auch zu Lebzeiten schon gefreut, wenn er gesehen hätte, wie viele Menschen gekommen waren, um von ihm Abschied zu nehmen. Aber noch viel mehr waren die Leute überrascht als sie hörten, welche Musik da erklang. Es war “When the saints go marching in” in unzähligen Variationen.
Nicht nur aus einem Mund hörte man: “Typisch der Andreas, typisch der Fleischmann.”
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Akte Schneider
Mit unnachahmlicher Präzision und ruhiger Hand legte Manfred “Manu” Schneider den Saphir in die dafür vorgesehene Bohrung des Uhrengehäuses ein. Seit mehr als zehn Jahren war er nun in diesem Unternehmen beschäftigt und konnte sich nicht beklagen.
Als Saalbetreuer hatte er begonnen, im Range eines Hilfsarbeiters, obwohl er Matura hatte und eine weitere Ausbildung, aber das war damals alles nicht gefragt.
Nach einigen Monaten wurde er dann Beschicker, das heißt er durfte an verschiedenen dieser tollen Produktionsanlagen Teile palettieren und der Bearbeitung zuführen, anschließend die vorgegebenen Messpunkte kontrollieren und bei Abweichungen musste er den Einrichter verständigen. Hatte der im Moment keine Zeit, dann durfte er sogar die Anlage still setzen, da sonst der Schaden zu groß gewesen wäre. Ja und so erklomm er Position für Position und freute sich ob seiner Erfolge.
Schon seit er sich zurückerinnern konnte hatten ihn Uhren, Präzision und Genauigkeit fasziniert. Begonnen hatte das Alles bei Großvater, der ein richtiger Tausendsassa war. Der hatte ganze Laden in seinem Schreibtisch mit feinstem Werkzeug. Da waren kleinste, feinste und vor allem hochglänzende Werkzeuge in allen Variationen zu finden und Großvater hütete sie wie seinen Augapfel. Ja und da war dann noch die Schatzkiste, wie er sie bezeichnet. In dieser Kiste war alles zu finden was ein Bubenherz höher schlagen ließ. Da gab es in hundert Laden und Fächern und tausend Cellophansäckchen alles was in Uhren so vorkommt und dies in unzähligen Varianten. Schon alleine die Zeigerabteilung war eine Sensation, da gab es alles was klein und fein und hauchdünn war. Manchmal wenn er vor lauter Begeisterung auf so ein Teil hintappte, konnte es schon passieren, dass ein Teil in seiner Fingerkuppe stecken blieb oder er aber so ein feines Ding verbog. Dann nahm er dieses und zeigte es Großvater, der ihn über den Rand seiner Brille gutartig böse ansah und mit einem Klaps andeutete, er möge besser aufpassen. Großvater brauchte bei ihm nicht viel zu sagen, sie verstanden sich auf Augenkontakt.
Stundenlang saß er da über der Schatzkiste und stöberte da herum, nur hie und da hörte er Großvater murren, wenn er etwas Teures oder Seltenes in die Finger bekam. Ja und so entstand sein Faible für diese Seite der Mechanik, die er so sehr liebte und die ihn bis heute faszinierte.
Allerdings hatte er in jungen Jahren eine mindestens gleich starke, wenn nicht sogar größere Leidenschaft zur Architektur und da im Speziellen zur Innenarchitektur entwickelt. All sein Taschengeld gab er für Kartons und Zeichenblätter aus, um damit Häuser zu bauen und diese im Maßstab einzurichten. Wenn es sich einmal nicht mehr ausging, sowohl von seiner wie auch von elterlicher Seite, dann konnte es schon einmal vorkommen, dass er zum Tuma oder ins nahe gelegene Papiergeschäft ging und ein paar Blätter stiebitzte. Einmal als er beim Tuma ganz lässig das Geschäft verließ, um dann sofort loszurasen, lief er einem Wachmann in die Hände. Da hätte er sich bald in die Hosen gemacht und als der Wachmann ihn dann noch fragte: “Wohin denn so eilig junger Mann?” rutschte ihm das Herz aus der Hose bis hinunter in die Beine. Er stand da, sah den Wachmann an und konnte weder ein Wort sagen noch weglaufen. Der Wachmann schüttelte den Kopf, lächelte und meinte: “So viel Respekt hätte ich nicht erwartet” und ging weiter.
Aber leider konnte er weder in die Mittelschule, geschweige denn ein Studium machen und so war von vorne weg klar, dass er eine Lehre machen würde. Doch auch da gab es eine Menge Schwierigkeiten, obwohl er ein ausgezeichneter Schüler war, aber auch damals schon lief ohne Beziehungen gar nichts und die waren halt nicht vorhanden. Eines Tages kam Martin´s Mutter ganz freudig erregt vom Einkauf zurück und erzählte, dass sie eine tolle Neuigkeit für ihn habe: “Der Herr Tattinger hat mir soeben gesagt, er hat vielleicht in seiner Firma eine Lehrstelle für dich.” Du musst dich aber am Montag um 8 Uhr mit deinem Zeugnis in der – verdammt jetzt hab’ ich den Namen vergessen – Gasse 14 vorstellen und einen Aufnahmetest musst du auch machen. Er hüpfte vor Freude und die Stelle hatte er, soweit war er sich sicher.
Was er allerdings nicht wusste, seine Mutter musste sich mehrmals von dem alten Tattinger begrapschen lassen und konnte weitere Attacken soweit hinausschieben, bis die endgültige Aufnahme feststand und ihm dann eine Abfuhr erteilen. Dies erfuhr er erst ein Jahrzehnt später bei einer heftigen Auseinandersetzung, aber ihre Begegnungen dieser Art waren immer sehr heftig, sehr laut und manchmal von Schreikrämpfen seiner Mutter begleitet.
Akte Schneider 1
Plötzlich hielt das Band an und der Bandleiter stand hinter ihm und sagte: “Herr Schneider, das dritte Mal heute schon, dass sie vergessen ihre Arbeit zu tun. Sie wissen, ich muss das dem Gruppenleiter melden. Tut mir leid und schauen sie zu, dass bis zum Schichtende nichts mehr vorkommt.”
Verdammt, dachte er bei sich, seit ich diese blöden Schmerzmittel nehme, passiert mir das immer wieder. Jetzt hatte er sich so weit hinauf gearbeitet und jetzt diese Vorfälle. Er wird heute den Turnverein Turnverein sein lassen und sich aufs Ohr hauen, denn die letzten Nächte waren ja auch nicht ohne gewesen und den gut bezahlten Job wollte er keineswegs riskieren. Gesagt, getan. Nachdem er in seiner schmucken Zweizimmerwohnung angekommen war, machte er sich eine große Tasse Tee, nahm seine Lieblingsdecke und ab auf das Lümmelsofa.
Als er aufwachte war es finster um ihn, er klatschte in die Hände und es ward Licht. Auch so ein Faible von ihm, noch dazu in Eigenregie hergestellt. Was, 3 Uhr ? Er ribbelte sich die Augen, aber es blieb dabei. Aber jetzt noch umziehen, nein. Er legte sich wieder hin und wartete auf den Schlaf. Es knackste da und dort, es knisterte, lauter Geräusche die er so nie wahrnahm. Außer den beiden Schwulen oberhalb, die scheinbar wieder ihr HaschMich-Spiel spielten und ihre Schlafstelle quälten. So lag er denn da und wartete sehnsüchtig noch immer auf den Schlaf, denn um fünf Uhr musste er ohnehin aufstehen, er hatte sich zu einer Sonderschicht gemeldet.
Aber nichts, als er wieder auf die Uhr sah war es 4Uhr10. Er beschloss aufzustehen, zog sich aus und ging ins Bad. Die warmen Wassertropfen liefen ihm wohltuend über die Haut und erzeugten ein Wohlgefühl der besonderen Art. Am liebsten hätte er sich hingelegt und zusammengerollt und dieses Gefühl weiter genossen. Da fiel auf einmal das Licht aus. Er wollte gerade aus der Dusche steigen, da spürte er zwei starke Arme, die ihm ein Tuch über Mund und Nase pressten und dann war nichts mehr.
Akte Schneider 2
Gegen 9 Uhr erwachte er ganz benommen, schüttelte mehrmals den Kopf und bemerkte, dass ihm das Tageslicht in den Augen wehtat. Als sich die Augen dann endlich fokussiert hatten, sah er die ganze Bescherung. Sämtliche Schränke waren geöffnet, die Schubladen lagen teilweise am Boden oder waren einfach nur herausgezogen. Die Inhalte lagen verstreut am Boden durcheinander und so ungefähr muss es nach einem Bombenangriff aussehen. Kaum gedacht, hatte er das Gefühl er sei nicht alleine in der Wohnung, aber da war nichts. Er schüttelte nochmals den Kopf und zwickte sich in die Wange, aber es war echt passiert. So griff er nach dem Telefon um die Polizei zu verständigen und bekam sofort noch eine Bestätigung, denn das Kabel war durchgeschnitten. Also ging er auf Zehenspitzen in den Vorraum und holte sein Mobile und rief die Polizei. Ja man würde in Kürze da sein, war die kompetente Antwort.
Auch im Vorraum sah es nicht anders aus und selbst in der Küche, alles offen, umgekippt, ausgeleert. Da mischten sich Zucker und Mehl mit Kaffee und Rosinen, dazwischen lag verstreut das Besteck. Erschreckend, war das seine Wohnung überhaupt?
Da fiel ihm blitzartig ein, er hatte ja seine Sonderschicht verpasst und da war man in seinem Unternehmen besonders heikel und das konnte nachhaltige Auswirkungen haben. Also rief er sofort an und merkte auch sofort, dass man seinen Worten nicht sehr viel Glauben schenkte. Na ja, er würde es ja am Montag beweisen können.
Da läutete es an der Tür, er öffnete und sah Grün-Weiß. Ein ganzes Heer von Polizeibeamten begleitet von Mitgliedern der Spurensuche in ihren weißen Ganzkörperpräservativen. Er wollte gleich wieder die Türe schließen, nahm sich aber dann ein Herz und sagte zu der Heerschar: „Bitte die Schuhe ausziehen, denn ich habe einen weiß lackierten Boden in der ganzen Wohnung“ große Verwunderung bei den Beamten, gegenseitiges Anschauen. Dann hatte sich einer gefasst und meinte: “Ist okay, dafür bleiben sie während der Amtshandlung jetzt hier am Gang.“ Na gut und öffnete die Tür zur Gänze und ging selbst hinaus auf denselben. Die Meute verschwand, schloss die Tür und er ging zum Gangfenster. Man hatte von hier aus einen tollen Blick auf diesen prächtigen Hinterhof des Hause, dieser alleine war schon eine Miete wert.
Es dauerte und dauerte. Die werden doch nicht gleich wieder alles einräumen. Auch dieser Gedankengang war noch nicht zu Ende gedacht, als ein Beamter herauskam und fragte: „Können wir reden?“ Ja und dann ging die übliche Personalabfrage los, bis hin zu Großmutters verfänglicher Jugend. “Konnten sie feststellen ob etwas fehlt?“ war die letzte Frage und auf Martin´s Lächeln hin besserte der Beamte nach und meinte dann: „Konnten sie bei oberflächlicher Betrachtung schon einen Verlust feststellen?“ „Nein mein Herr, denn erstens sollte ich nichts anrühren und zweitens habe ich mich daran gehalten“ war Martin´s coole Antwort.
Der nächste Beamte hielt seinen Kopf durch die Tür und sagte: „Kommst du Horst, wir machen die Endrunde.“ Horst kam und der Blick hinein sagte ihm, die haben nicht zusammengeräumt. Bei dem Gedanken daran musste er selbst lächeln. Also versuchte er ein paar aus seiner Clique zusammenzutrommeln, die ihm bei der Sonderaktion helfen würden. Bei Isabell und Michael, sowie Connie und Conrad wurde er fündig und sie vereinbarten sich für 16 Uhr. Ach ja, Essen und Trinken? Da musste er sofort nachsehen.
Er läutete an seiner eigenen Wohnungstüre und fragte ob er in die Küche dürfe, er müsse etwas nachsehen. “Kein Problem“ war die Antwort. Martin schlängelte sich durch das Heer an Beamten in die Küche und öffnete den Kühlschrank. In der Sekunde schien sein Blut in den Adern zu gefrieren, denn es lag ein abgetrennter menschlicher Kopf im Fach und alles war voll Blut. Er stieß einen lauten Schrei aus und wäre fast in die Knie gegangen, hätte ihn ein Polizeibeamter nicht noch rechtzeitig erwischt. Schon war die Küche voller Polizisten und Martin am schnellsten Weg ins Bad. Dort musste er sich mehrmals übergeben, ein ganz schrecklicher Anblick und der bloße Gedanke daran reckte ihn gleich wieder.
„Herr Schneider“ sagte der Beamte der etwas später in das Bad kam „Sie können nicht in der Wohnung bleiben, die ist vorläufig beschlagnahmt. Nehmen sie sich ein paar Sachen und ziehen sie zu Freunden oder ins Hotel“ war der gut gemeinte Vorschlag. Und so geschah es auch, Isabell und Michael gewährten ihm für die nächsten Tage Unterschlupf in ihrem Haus. Die Ordnungs-Aktion war damit auch abgeblasen. Er mochte gar nicht daran denken, wie das ausgegangen wäre, wenn er nicht jetzt in den Kühlschrank geschaut hätte.
Er packte seine Sachen in ein Trolly-Bag, da läutete es und Michael stand vor der Tür, er holte ihn dankenswerter Weise ab. Martin übergab dem leitenden Beamten den Wohnungsschlüssel, sie tauschten die Telefonnummern und Martin wurde informiert, dass die Wohnung anschließend versiegelt wird.
Akte Schneider 3
Die erste Nacht war ein einziger Alptraum. Etliche Male war er aufgeschreckt, denn immer und überall diese Augen. Aus jeder Öffnung, egal ob groß oder klein, egal ob rund oder eckig, immer diese verschleierten, leicht schielenden, blutunterlaufenen Augen. An Schlaf war nicht zu denken, ebenso am nächsten Tag nicht. Martin meldete sich krank, erklärte auch warum und entschuldigte sich förmlich für sein fernbleiben.
Die Zustände wurden immer ärger, er konnte kaum etwas essen, überall nur Augen. Der Gang zum Arzt blieb ihm daher nicht erspart. Dieser schickte ihn zum Psychiater, da sein Latein zu Ende war. Dieser gab ihm erst ein Mal ein paar Pillen und vereinbarte ein paar weitere Sitzungen. Als er das Medikament holte und den Beipackzettel las, stellte er sich vor eine Auslage und betrachtete sein Spiegelbild. Seine Ähnlichkeit mit einem Walfisch war relativ gering, aber das Medikament eher für solche geeignet. Und somit war klar, diese Pille würde nie bewusst über seine Lippen kommen.
Die Zeitungen waren übervoll von dem Überfall und dem anschließenden grausigen Fund und da es keinerlei Anhaltspunkte gab, gab es viele, sehr viele Vermutungen. Sogar die Einnahme seiner Schmerzmittel war Gegenstand einer Theorie.
Zu allem Überdruss bekam er noch die fristlose Kündigung, da er sich angeblich nicht krank gemeldet hatte, aber dem sah er relativ gelassen entgegen, da er dafür Zeugen und notfalls die Telekom hatte, die ja den Nachweis bringen konnte, wann er mit wem oder wo telefoniert hatte. Und dies würde auch vor Gericht gelten, wenn es soweit kommen sollte. Auf jeden Fall führte er alle Gründe und Zeitpunkte im Detail an, als er das Antwortschreiben per Fax und per e-Mail abschickte.
Die Polizei hatte sich auch noch nicht gemeldet und der Vermieter war auf Urlaub, zwei Wochen wie er erfahren hatte. Momentan war er nicht in der Gunst der Götter wie ihm vorkam.
Die Freundschaft von Isabell und Michael wollte er auch nicht über Gebühr strapazieren und zog daher am Freitag ins Hotel, da man ihm offeriert hatte, dass es vielleicht doch die eine oder andere Woche noch dauern könnte. Sie versicherten ihm, dass er jederzeit wieder kommen könnte, dass er eigentlich nicht weggehen hätte müssen und unbedingt rühren, wenn es einen neuerlichen Alarm gibt. Das war alles gleichzeitig Einladen, Behalten und Wegstoßen. Also weder Fisch noch Fleisch und daher trollte er sich lieber, dazu war ihm diese Freundschaft zu wertvoll.
Akte Schneider 4
Knapp drei Wochen waren jetzt seit dem Vorfall vergangen. Die Wohnung sollte er im Laufe der Woche wieder zurückerhalten, dafür hatte ihm der Vermieter gekündigt, da er solche Untermieter nicht brauchen kann.
Seine Firma hatte die fristlose Kündigung in eine normale umgewandelt, aber dafür die Prämie für das vergangene Jahr gestrichen worden und die wäre aufgrund seiner Vorrückung, samt dem Qualitätsbonus und der Konzernleitungsprämie bei satten 20.000€ gelegen.
Da es die dritthöchste je ausgezahlte Prämie gewesen wäre, hatte man da auch einen Aushang gemacht und den hatte auch er. Die Prämienausschüttung sollte wie jedes Jahr wieder Mitte des Jahres sein und daher war natürlich noch vieles möglich. Martin hatte auf jeden Fall vor, die Prämie bei Gericht zu beeinspruchen, wenn das Unternehmen sich da nicht entgegenkommend zeigen sollte.
Was Martin aber wirklich Sorgen machte waren seine Schmerzen im Oberschenkel und seine nächtlichen Verfolgungsrennen mit dem Augenpaar. Er war inzwischen soweit, dass er wahrscheinlich sogar eine Hypnose zulassen würde, wenn diese Trugbilder nicht bald verschwanden.
Die Schmerzen in seinem Oberschenkel stammen von einem selbstverschuldeten Motorradunfall bei dem er sich u.a. einen doppelten offenen Oberschenkelbruch zuzog und mehr als drei Monate im Spital verbrachte, ein Monat auf Rehabilitation war und dann noch zweimal nachoperiert wurde, ebenfalls mit je sechs Wochen Spitalsaufenhalt. Wobei die Schmerzen stärker und das Bein seiner Meinung nach auch dicker geworden war. Eine weitere Kontrolle war unausbleiblich.
Keine Spur gab es weiterhin zu dem Überfall und der Kopf gehörte anscheinend auch niemandem, denn er ging nicht ab bzw. niemand kannte jemanden der so aussah.
In der Zwischenzeit hatte Martin seine feinmechanischen und elektronischen Kenntnisse aufgefrischt, hatte ein paar Zeitzündervariationen gebastelt, mechanisch und digital. Alle waren auf Anhieb und aus dem Kopf gelungen. Die Probe aufs Exempel wollte er eigentlich morgen machen, denn da hatte er vor die Schrebergartenhütte seiner bereits verstorbenenen Eltern gekonnt abzutragen, besser abzusprengen. Er hatte alle Berechnungen selbst angestellt, auch die diversen Zeitstufen der Sprengungen. Dies war ihm so eingefallen, als er nach einem geeigneten Objekt für seine Versuche suchte, denn er hatte ja schon um eine Baugenehmigung beim Siedlungsverein angesucht und wie ihm Herr Heidinger versichert hatte, bekommt er diese nach der kommenden Sitzung.
Die Hütte der alten Schneider`s war gut und gerne 5m im Quadrat und auch etwa so hoch. Der vordere Teil, der dem Besucherbergerl entgegenschaute, war aus Blockhölzern gemacht. Der hintere Teil und auch ein Teil der Seitenwände aus Holzschwellen der Bahn. Diese verdammt schweren Hölzer getränkt mit einem giftigen Zeug damit ja kein Ungeziefer sie befällt und zerfrisst. Diese Hölzer waren nicht nur schwer sondern auch enorm wiederstandsfähig, auch dies hatte Martin seiner Meinung nach berücksichtigt. Er hatte ein maßstabsgetreues Modell gebastelt und damit experimentiert und war mit den Ergebnissen sehr zufrieden. Eigentlich hatte er vor nach der Sprengung mit so einem kleine Mini-Bagger die Überreste auf ein Lastauto zu schaufeln und nach drei Stunden eine leer geputzte Betonplatte vorzufinden.
Die Sprengung hatte er für 10 Uhr vormittags geplant, denn da waren alle Nachbarn einkaufen oder im Schutzhaus und bis die dann etwas merkten, war alles längst vorbei, dachte er sich. Für 14 Uhr hatte er die Anlieferung des Mini-Baggers geplant und für 17 Uhr die Abholung. Das Haus war lange schon leer geräumt, erst vor einigen Tagen hatte er sämtliche Glasscheiben entfernt, damit nicht irgendein Malheur passieren konnte. Er würde die Nacht heute im Haus verbringen um letzte Vorbereitungen zu treffen. Die Nachbarn hatte er auch informiert, dass nicht jemand die Polizei rief.
Er hatte vor das Ganze hinter dem Haus sitzend zu beobachten und nicht von der Vorderseite aus. Außerdem kannte er sich da hinten viel besser aus, falls er aus irgendeinem Grund abhauen musste und vorne war es wie auf einem Präsentierteller.
Die ganze Nacht hatte er die verschiedenen Kabel angebracht und die von ihm selbst gefertigten Sprengstangen positioniert. Zumindest dreimal war er die Lage und richtige Größe der Sprengstangen durchgegangen, ehe er sich um knapp vor 5 Uhr für ein paar Stunden hinlegen wollte.
Hinlegen ja, schlafen nein. Obwohl er mehr als groggy war, war an schlafen nicht zu denken und das Medikament hatte er nicht eingesteckt. Kaum schloss er die Augen, sahen ihn die anderen Augen an. So lag er denn und horchte in den beginnenden Tag. Komisch dachte er bei sich, ich höre gar keine Vögel zwitschern, obwohl ich mitten im Grüngürtel der Stadt liege.
So sah er hinaus bei den fensterlosen Öffnungen des Hauses, welches so gar nicht mehr an das geliebte Schrebergartenhaus seiner Eltern erinnerte. Anscheinend aber hatte er doch mit offenen Augen eingeschlafen, denn plötzlich schepperte sein Mobile und er sah, dass es 9 Uhr war. Er reckte sich und streckte sich, erhob sich und begann die letzte Inspektion, danach stellte er den Zeitzünder auf 10 Uhr und ging nach draußen. Noch einmal machte er einen Blick von allen Seiten auf das Haus, ein letzter Abschied, denn in ein paar Minuten sollte es – zumindest nach Martins Vorstellungen – nicht mehr stehen, sondern ganz flach vor ihm liegen.
Er hatte längst seine Beobachterposition eingenommen und saß auf einem Betonziegel, den er sich dort hingelegt hatte, es war 9:55 Uhr. Ein wenig aufgeregt war er schon, ob alles wie gedacht funktionieren würde. Da läutete auf einmal da Mobile, der Personalchef der Firma war dran und machte nach langem Hin und Her Martin den Vorschlag sich zu treffen … da gab es plötzlich eine Reihe dumpfer Schläge, es war 10:00 Uhr, der Zeitzünder hatte ausgelöst. Martin hörte dem Dr.Brugger zu und schaute gleichzeitig zu, wie sich einige Dachbalken hoben, Dachplatten aufbogen, wie das Haus mehr oder weniger implodierte und eine riesige Staubwolke aufwirbelte.
Martin sah allerdings nicht mehr, dass das Haus nur nach vorne weggekippt war und die Sprengladungen nur Teile der schweren Holzbohlen herausgefetzt hatten. Denn so ein fünfunddreißig Zentimeter langer Holzsplitter hatte sich pfeilschnell durch seinen Hals gebohrt und die Halsschlagader zerfetzt. Martin war nach wenigen Augenblicken tot. Am Mobile hörte man Dr.Brugger rufen: „Herr Schneider, Herr Schneider so sagen sie doch etwas.“ Er war es auch der die Feuerwehr und Rettung verständigte und ihnen die Rufnummer von Herrn Schneider Martin durchgab, damit sie ihn orten können. Noch bevor sie vor Ort waren, waren die Leute vom Schutzhaus herüber gerannt und sahen die Bescherung und erst etwas später den Toten.
Martin blieben viele negative Ereignisse der nächsten Tage erspart, denn aufgrund der unerlaubten Sprengung hätte er keine Baugenehmigung sondern eine Anzeige erhalten.
Da die Prämie eine freiwillige Leistung des Unternehmens war, blieb es im Ermessen des Leisters diese zu geben oder nicht. Dr. Brugger wollte aber auf eine einvernehmliche Kündigungslösung hinaus, wobei er maximal gewillt war die halbe Abfertigung zu zahlen, da Martin durch sein Fernbleiben bei der Sonderschicht eine Lieferung verzögert hatte, die dem Unternehmen eine saftige Pönale kostete.
Die Schmerzen in Martin’s rechtem Oberschenkel wurden durch einen Mastdarmkrebs verursacht, Metastasen gab es bereits in vielen Körperbereichen. Die erwähnten Stellen waren anscheinend besonders empfindlich geworden durch vielen Operationen.
Und zu guter Letzt wollte der Vermieter noch eine Menge Geld von ihm, da dieser jetzt der Meinung war, die Küche müsse komplett erneuert werden, denn diese sei einem Neumieter nicht zumutbar.
Bis zum heutigen Tag ist weder der Überfall aufgeklärt, noch der Besitzer des Kopfes eruiert. Die Akte Schneider ist noch offen, er selbst begraben.
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Pension Serro
Mein Gott, es war noch nicht ganz vier in der Früh und die Frau machte so einen Lärm. Sie schimpfte, maulte und prügelte mit einem Büschel Kochlöffel auf dem Besoffenen herum, dass er einem leid tun konnte. Aber er hatte es ja von Anfang an gewusst, dass er eine Rasierklinge heiratet und sie hatte auch nie ein Hehl daraus gemacht. Und wenn sie so richtig in Fahrt war, ja dann war es ihr wurscht, wer da dabei war. Sie feuerte ihr Feuerwerk ab und liess nicht das kleinste Raketerl ungezündet. Und ob da jetzt zehn, zwanzig oder gar hunder Leute in ihrer Pension gerade weilten, war ihr ziemlich wurscht.
Die Franziska war, so prächtig sie als Vollweib auch dastand, zumindest auch so streitsüchtig. Also mit der konntest wegen einem Punkterl mehr oder weniger auf einem Marienkäferl einen Wickel produzieren, dass die halbe westliche Hemisphäre hineingepasst hätte. Auch auffällig war, dass sich in letzter Zeit die Anzahl an Streitfälle zumindest verdoppelt hatten. Wohl erst seit der Bergerbua dauernd um sie herumscharwenzelte. Und der Robert, der Depp, dem fiel nichts anderes daraufhin ein als sich fast täglich vollrinnen zu lassen und den Harten zu markieren. Die Leute lachten ja schon alle über ihn, den Herrn Pensionsbesitzer, wie sie ihn verächtlich nannten. Aber in seinem Promillehimmel, wo er sich die ganze Welt schön soff, war das ja alles ganz anders.
So war es auch am 20.Februar. Es war arschkalt an diesem Tag, schon in der Früh hatte es minus zwanzig Grad gehabt. Aber das hatte er wieder einmal nicht mitbekommen, denn er war ja wieder einmal sternhagelvoll. So bekam er denn auch nicht mit, dass sich bei seiner Franziska der Bergerbua wärmte. Und während die Beiden es laut und heftig trieben, konnte das ganze Haus daran teilhaben und tat es auch. Die meisten schüttelten den Kopf und lachten hinter vorgehaltener Hand. Der eine oder andere zotige Witz machte die Runde und erheiterte die versammelten Zuhörer.
Gegen sechs wachte der Robert kurz aus seinem Delirium auf, schüttete sich ein Krügerl Wasser über den Schädel, brummte etwas Unverständliches und ging nach oben. Aber die Tür zum gemeinsamen Schlafraum war verschlossen und auf sein Klopfen rührte sich niemand. Also bückte er sich und wollte durch das Schlüsselloch schauen, was ihm bei der Finsternis ohnehin keine Erleuchtung gebracht hätte, aber dafür eine ordentliche Beule, da er in seinem Alkoholdunst voll in den Türgriff gefahren war. Das Blut rann ihm aus einer Rissquetschwunde oberhalb der Stirn quer übers Gesicht. und er hatte nichts Eiligeres zu tun als sich mit dem Ärmel das Blut zu verwischen. Somit war sein Gesicht komplett blutverschmiert. Er sah erbärmlich aus.
Vor lauter Rage wegen der verschlossenen Tür und wegen dem Schmerz warf er sich gegen diese Tür, die beim dritten Anrang prompt nachgab. Und da sah er die Bescherung in seinem Alkobluttaumel. Im ganzen Raum lagen die Bekleidungs- stücke der Beiden herum, die Beiden selbst lagen, wie Gott sie geschaffen hatte am Bett und schliefen den Schlaf des Gerechten. Robert sah zwei, dreimal hin und lief dann mit denn eingesammelten Kleidungsstücken am Arm die Treppe hinunter. “Der Hund, der Hund, die Sau” stammelte er andauernd und einsilbig, während er die Treppen hinunter torkelte und dabei Stück für Stück die Wäsche verlor.
Die Tür zum Keller stiess er auf und torkelte weiter, dass es steil bergab ging, bekam er nicht mehr so richtig mit, als es ihn die Treppe hinunter haute. Aber wie ein Sprichwort sagt: “Kinder und Betrunkene haben tausend Schutzengerln” war es auch bei ihm, er landete unsanft, doch weitgehendst unversehrt am Hosenboden. Ein jeder normale Mensch hätte sich wahrscheinlich das Genick gebrochen. Er sass jetzt da, schüttelte ein paar mal den Kopf, griff sich an den Oberschenkel, jammerte kurz auf und das war es. Er fluchte und schimpfte wie ein Rohrspatz, aber durch die vom Alkohol beeinträchtigte Zunge konnte man nicht wirklich erahnen, was er sagte. Aber gehen wir davon aus, es war wenig erfreuliches.
Stolpernd, teilweise auf allen Vieren und unter leichtem Stöhnen kroch er weiter in Richtung Geräteschuppen. Er hinterliess eine Alkoholfahne die nicht von schlechten Eltern war. Das blosse Einatmen derselben, hätte locker für 0,8 Promille gereicht. So aber dünstete er in seiner Alkoholsuppe dahin und brabbelte dauernd etwas von “denen moch i Feuer unterm Hintern” oder so ähnlich. Endlich hatte er gefunden, was er gesucht hatte, den Kanister mit 25 Liter Benzin. Als er ihn anhob, haute es den noch immer Besoffenen um und der fiel zwischen seine Gartengeräte und mit einem lauten Aufschrei quittierte er die Landung.
Ein paar Minuten geschah nichts. In der Zwischenzeit hatte sich der umgefallene Kanister zum Teil entleert und im Raum verbreitete sich der Gestank von Benzin. Als Robert dies mitbekam, griff er ohne Zögern in die Hosentasche holte sein Feuerzeug heraus und entzündete das Benzin. Kurz darauf erfüllte ein markerschütternder Schrei das Kellerabteil und kurz darauf das ganze Haus, als die Flammen Robert erfassten und in eine Fackel verwandelten. Er wollte noch aufstehen, aber das Feuer liess ihm keine Chance.
Das zweihundertfünfzig Jahre alte, unter Denkmalschutz stehende Haus, tat ein übriges und innerhalb von zwei Stunden gab es die Pension Serro nicht mehr. Bis auf zwei ältere Gäste konnten sich alle ins Freie retten. Erst Tage später konnte man mit Sicherheit sagen, dass neben der Pensionsinhaberin und deren Mann auch der Anton Berger in den Flammen umgekommen war. Obwohl nach vielfach bestätigten Aussagen schon nach wenigen Stunden feststand wer da in den Flammen umgekommen war.
In einer Boulevardzeitung konnte man lesen: “Die Pension Serro, die gibts nicht merr”. Überaus originell war diese Titelzeile.
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Das verlorene Leben
Es war wieder so ein Tag, wie er so selten vorkommt. Jonathan war voll des Glücks. Er hatte schon in der Früh einen Brief von Martina bekommen, am frühen Nachmittag hatte sein Lieblingsverein gewonnen und morgen hatte er noch dazu Geburtstag, seinen 34sten. Alle seine Freunde hatten zugesagt und wollten zur Party kommen, die er bei Mike seinem alten Kumpel zu feiern gedachte. Ach wie herrlich konnte doch das Leben sein. Ja man wird halt bescheiden.
350 km entfernt in einer Kleinstadt, wie sie hundert andere auch gibt, trat ein Pärchen aus einem Hausflur auf die Strasse. Obwohl es gut und gerne 25 Grad hatte, waren beide fest vermummt und gingen eng umschlungen ihres Weges. Eigentlich hatte man das Gefühl sie torkelten ein wenig, aber das konnte wiederum viele Gründe haben. Es konnten die Frühlingsgefühle sein, die eine leichte Trunkenheit erzeugten oder aber es war Musik im Spiel. An Alkohol und Drogen konnte man wohl auch denken, aber angesichts der tollen Stimmung wollten wir uns diese nicht zerstören lassen. Zwei Strassen weiter oben stiegen sie in ein blaues Mini Cooper Coupe ein und brausten ab.
Plötzlich klatschte eine flache Hand auf Jonathans Schulter und die Stimme verriet ihm, es war wieder einmal Klaus, dieser Idiot. Schon einmal hatte er ihm übel mitgespielt als er ihn ebenso überraschte und Jonathan vor Schreck umfiel, mit dem Hinterkopf gegen den Beton knallte und nach drei Wochen im Wachkoma wieder ins Leben zurückkehrte. Heute erinnerten ihn seit mehr als sechs Jahren hie und da noch etwa einstündige starke Kopfschmerzen an dieses unliebsame Ereignis. Die Entschuldigung von Klaus kam postwendend und er meinte es wahrlich ernst damit. Die Moralpredigt die ihm Jonathan hielt, war aber auch nicht von schlechten Eltern.
Der Mini hatte inzwischen die letzten Häuser der Stadt hinter sich gelassen und Thomas gab ordentlich Stoff. Der kleine Flitzer schlängelte sich mit den beiden Insassen durch das Gewirr ländlicher Strassen und mancher Quietscher verriet, dass man sich gewissen Grenzen näherte. Die junge Frau neben Thomas hatte eine sehr wächserne Gesichtsfarbe, aber dies lag wohl nicht an seiner Fahrweise sondern eher an dem Stoff, den sie da gierig durch die Nase schnupfte. Waren es also doch Drogen, die das Pärchen vorhin so schwankend erscheinen liessen ? Die junge Frau, nennen wir sie Lisa, griff in ihren Beutel, kramte ein Weilchen ziel und planlos darin herum, zog ein kleines Fläschchen heraus, öffnete dieses und sog mit geübtem Zug den Schnaps in sich hinein. “Du bist unmöglich Lisa” sagte Thomas mit vorwurfsvollem Ton, sie lachte nur kurz auf und warf das leere Fläschchen beim Fenster hinaus.
Klaus war fast den Tränen nahe, so sehr hatten ihn die Worte von Jonathan getroffen. Nie hätte er sich verzeihen können, wenn etwas ähnliches wie damals passiert wäre. Er erinnerte sich mit Schaudern an die vielen schlaflosen Nächte und diese ständig wiederkehrenden Bilder, so auch jetzt. Und es erinnerte ihn auch daran, als hätte sich seit damals ein Fluch auf sich und seine Familie gelegt. In hundert Jahren Familiengeschichte waren nicht so viele grauslichen Dinge passiert, als in den letzten sechs Jahren. Zwei seiner Schwestern hatten Fehlgeburten erlitten, eine davon sogar zwei. Sein Freund und Lebensgefährte war tödlich verunglückt und zwar genau am ersten Jahrestag. Sein Vater verlor ein Bein und seine Mutter kämpfte seit mehr als zwei Jahren gegen den Brustkrebs, der in ihr wütete. Er selbst hatte nach seinem Rauswurf aus dem Institut für Mikrobiologie, vor drei Jahren, keinen vernünftigen Job mehr gesehen.
Das Fläschchen zerschellte am Strassenbelag und zerteilte sich in Millionen feinster Glassplitter, die sich wie ein hauchdünnes, feines Tuch auf die Aufschlagsstelle legten. Die Sonne brach sich milliardenfach in den Splittern. Eine Schnecke die gerade ihre Spur zog machte aber einen deutlichen Strich durch diesen Diamantteppich. Die Kurvenorgie war längst vorbei und wie ein schnurgerades Band zerteilte die Landstrasse die Gegend nun in zwei ungleiche Hälften. Thomas hatte noch ein wenig mehr Gas gegeben, aber Lisa bekam von all dem nichts mit, denn sie war wie man so schön sagt, voll zugedröhnt. Thomas selbst hatte das Radio sehr laut aufgedreht und eben jetzt waren ZZ Top mit Gimme All Your Lovin zu hören. Seine Blicke schweiften dauernd über den Horizont, als suchten sie etwas. Plötzlich gab es einen lauten Knall, der blaue Mini katapultierte sich in die Luft, zuerst sah es danach aus, als würde er in der Luft stehen bleiben und mit einem ohrenbetäubendem Knall flog der ganze Wagen auseinander. Tausende Trümmer flogen durch die Luft, aber nach wenigen Sekunden war Totenstille und nur ein paar rauchende Teile zeigten, dass da vorher etwas gewesen war.
In den Abendnachrichten war zu hören “Staatsekreär Thomas Meixner und seine weibliche Begleitung sind heute nachmittag einem Sprengstoffattentat zum Opfer gefallen”.
Als Klaus diese Nachricht sah, wusste er, sie waren nah. Thomas hatte ihm oft von diversen Begegnungen erzählt und auch von dem ganz grossen Bluff, den er in Beirut gelandet hatte. Auch hatte er ihm gesagt, sollte er je diese oder eine ähnliche Nachricht von ihm hören, dann möge er die beiden Schlüssel spätestens am nächsten Tag nehmen und zur Credit Suisse gehen und die beiden Fächer leeren. In einem sei ein hellgrauer Briefumschlag, den sollte er öffnen, lesen und ausführen, was dort geschrieben stand. Und so geschah es, Klaus holte die beiden Schlüssel aus seinem Safe, ging damit zur Credit Suisse, zeigte die beiden Dinger her und wurde zumindest fünf Stockwerke tiefer in einen Tresorraum geführt, wo ihm in umgekehrter Reihenfolge die beiden Schliessfächer geöffnet wurden.
In dem einen Schliessfach lag ein Damenrevolver, der graue Umschlag und ein weiterer Schlüssel mit einem Namensschild. Im anderen lagen ein Bündel Hundertdollarscheine und ein kleines braunes Stoffsäckchen. Er verstaute all die Dinge in seiner Jacke und wie aus hundert anderen Fällen gelernt, hatte er dünne Gummihandschuhe mit, die er anzog, bevor er die Waffe ebenfalls in einer Innentasche seiner Jacke verstaute. Noch immer hasste er den Geruch, den diese Gummihandschuhe verströmten, es war ein ganz eigenartiger Film der sich ihm da auf die Zunge legte. Er verliess die Credit Suisse und ging ein paar Häuser weiter in ein Cafe um den Briefumschlag zu öffnen.
Jonathan stand an der Bar der kleinen Kneipe und unterhielt sich mit Doris, der jungen Frau hinter dem Tresen. Sie kannten sich auch schon viele Jahre und waren richtige Kumpel geworden. Er liebte dieses kleine schmucke Bierlokal mit der Bar und der gemütlichen Bierinsel in der Mitte, an der normal 12 Personen und je nach Laune auch 20 und mehr Platz hatten. Vor allem aber mochte er die Öffnungszeiten, denn das Lokal öffnete erst ab 16 Uhr seine Pforten und wenn er nach der Akademie herüberkam, war das Lokal noch fast leer und Doris hatte immer Zeit auf einen Schwatz. Heute war ihm aber gar nicht nach Bier, wie auch schon in den letzten Tagen. Das lag wahrscheinlich an dem neuen Medikament, dass er seit einer Woche gegen seine aufkeimenden eptileptischen Anfälle von Dr.Mortensen bekam. Also wollte er heute ein GinTonic nehmen.
Das Lokal war gut besucht als Klaus es betrat, doch fast am anderen Ende sah er mit geübtem Blick eine freie Nische. Zielstrebig marschierte er auf sie zu, als ein paar Schritte vor ihm sich jemand erhob und auch auf den Tisch zusteuerte. Er wollte schon etwas ausrufen, da drehte sich derjenige um, zog eine Waffe und zielte auf ihn. Man sah nur eine ganz kurze schnelle Handbewegung bei Klaus und der Andere sackte plötzlich mit einem gurgelndem Schrei zusammen. Die Leute in der nächsten Umgebung murmelten laut und ein paar erstickte Schreie waren zu hören, da war Klaus bereits wieder Richtung Ausgang unterwegs und erreichte unbehelligt die Strasse. Da hatte er wohl Glück gehabt, da machten sich halt die Ranger-Ausbildung und die Spezialtrainings, die er bei der Anakonda besuchen durfte, für ihn bezahlt.
Also neues Lokal, neues Glück ? Nein er beschloss, sich das Ganze zu Hause anzusehen.
Jonathan war inzwischen beim fünften GinTonic angelangt, wobei seine Ginmenge immer der doppelten Menge entsprach, was sonst üblich war. Und wie ein Warnsignal blinkte innerlich bereits ein Lämpchen, welches ihm sagte, lass es genug sein. Seine nächste Bestellung war ein Selters und dann wollte er gehen, denn morgen wird ja ohnehin ein heisser Tag werden. Und ausgeschlafen sein, hatte ja sowieso Seltenheitswert bei ihm. Nach weiteren zehn Minuten hatte er sein Selters intus, schäkerte ein wenig noch beim Bezahlen mit Doris und verliess das Lokal. “Keine Taxe heute ?” fragte sie ihn, “Nein habe heute meinen sportlichen Tag” kam zurück und er trat auf die Strasse. Es hatte ein wenig geregnet und die Lichter die sich in den Pfützen spiegelten verliehen dem Ganzen eine ganz besondere Stimmung. Er entschied sich für nach rechts gehen. In etwa fünfzig Meter vor der nächsten Ampel fuhr unbemerkt von ihm langsam ein schwarzer Wagen die Strasse entlang, auf seiner Höhe öffnete sich kurz ein Fenster und es machte drei mal kurz Plobb. Jonathan sank tödlich getroffen zu Boden. Knapp bevor er auf dem Asphalt aufschlug begegnete er noch ganz schleierhaft Martina.
Klaus wollte gerade wieder in die Jacke schlüpfen, nachdem er alles gelesen hatte, was in dem grauen Umschlag gestanden hatte. Er prüfte nochmals ob er auch alles hatte, was er für seinen Auftrag brauchte. Während er in die Schuhe schlüpfte bekam er noch mit, dass der Nachrichtensprecher sagte, am Abend sei der 34jährige Jonathan T. auf der Bahnhofstrasse erschossen worden. “Wieder ein Schläfer weniger” murmelte Klaus und “Da hat mir jemand meine Arbeit abgenommen”, ging zurück, nahm ein paar Papiere aus der Jacke und zündete sie an. ”Ein verlorenes Leben” sagte er noch, nahm die schwarze Tasche aus dem Schrank im Vorraum und rief sich ein Taxi.
Als er unten in das Taxi stieg, rief er dem Fahrer zu: “Zum Flughafen” und schloss die Wagentür. Und genau in diesem Augenblick bildete sich auf seiner Stirn ein kleines kreisrundes Loch. Das Anfahren des Wagens bemerkte Klaus nicht mehr und als das Ticket auf den Boden fiel, konnte man lesen: Beirut.
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DAS MÄDCHEN MIT DEM SPRUNG …
Ich kann mich gar nicht mehr erinnern wie viele Monate ich dieses junge Mädchen schon bewunderte. Anfangs sah ich sie nur einmal in der Woche, immer wenn ich mit meinem Freund Paul zu Fuß in die Berufsschule ging. Wir hatten uns da eine eigene Strecke ausgedacht, die wir von der Karplusgasse kommend zur Mollardgasse gingen. Ob wir da jetzt den kürzesten Weg gefunden hatten oder nicht, war uns im ersten Moment egal und nachdem wir der Schönheit begegnet waren, sowieso.
Es muss ihr irgendwie aber gefallen haben, auch wenn wir immer unsere albernen Sprüche losliessen, die halt so pubertierenden Jungs einfallen. Sie schenkte uns Dienstags immer ein Lächeln und wir durften stumm unsere Augen in ihrem Dekolete versenken und ernteten dafür den einen oder anderen süffisanten bis leicht amüsierten schelmischen Blick.
Eines Dienstags aber blieb uns fast die Luft weg. Unsere Prinzessin hatte zu allem Überfluss einen atemberaubend kurzen Faltenrock an, der bei jedem Schritt wie ein Pendel um ihre Hüften schwang. Oben trug sie einen der damals so beliebten Angora-Pullis in Rosa, was der ohnehin mächtigen Oberweite noch ein paar zusätzliche Zentimeter verlieh. Und zu meinen schon vorhandenen 37 Herzerl’n in den Augen kamen standepeter noch ein paar dazu. Bei meinem Freund Paul war das ein wenig anders, denn der hatte da ganz andere Maßstäbe, bei dem war Frau eben Frau. Wenn sie noch zusätzlich hübsch war, dann sollte ihm das auch Recht sein, aber sonst.
Ich jedoch hatte voll Feuer gefangen und wenn ich an sie dachte wurde mir heiß und kalt und in meinem Bauch schwirrten die Schmetterlinge und in etwas tieferen Lagen gab es ab und an auch heftige Eruptionen. Der ersten der diese Veränderungen auffielen war meine Mutter, die sich auf einmal fragte, wieso der Herr Sohn, mitten unter der Woche, seine besten Klamotten und Schuhe anzog. Die ersten paar Mal liess sie es kopfschüttelnd geschehen, aber dann kam es unweigerlich zur Konfrontation. “Was ist los?” war noch die einfachste aller Fragen, die da auf mich losprasselten. Nach einer Reihe wortloser Momente meinerseits, hatte ich mich so weit gefangen und erzählte etwas von Jugendvertrauensmann und Sitzungen, übrigens lauter Blödsinn aber … eben… da mein Stiefvater auch im Betriebsrat war, hatte er dafür Verständnis und deutschte das meiner Mutter auch aus. Die aber wollte eigentlich nur wissen, ob das mir und meiner monetären Lage etwas brachte. “Du denkst andauernd nur ans Geld” waren meine bewegenden Worte, um von dem unangenehmen Fragenthema endlich wegzukommen. Was prompt auch gelang, aber trotzdem voll in die Hosen ging, denn jetzt hatte ich die Kostgelddebatte wieder am Hals. Aber durch ungezählte Diskussionen gestählt, liess ich den Wortschwall stillschweigend über mich ergehen, denn es hatte sich als enorm zeitverkürzend gezeigt, wenn man der Rednerin nicht widersprach.
Auch meinem Freund Paul war diese Veränderung nicht verborgen geblieben, aber Zusammenhänge mit dem schwachen Geschlecht brachte er keine zustande, obwohl sein erster Ausruf: “He, san Kotz’n do?” nichts Gutes verhieß, aber dabei hat er es auch belassen. Bis zu dem Moment als wir, an einem Dienstag natürlich, unserer Prinzessin begegneten und dieser meine aussehenstechnischen Veränderungen anscheinend auch aufgefallen waren und es mit einem “Hallo, sehen aber heute sehr fesch aus, der junge Mann” nicht unerwähnt liess und es daraufhin meinem Freund Paul wie Schuppen von den Augen fiel und er mich ab dem Moment andauernd mit irgendwelchen blödsinnigen Fragestellungen bezüglich einer möglichen oder schon bestehenden Beischlafproblematik bombardierte. Bis ich ihm durch ein ordentliches Magenbeug’l zu verstehen gab, dass es genug ist und da er sehr empfindlich in der Magengegend war, reagierte er auch sehr prompt.
An einem der folgenden Dienstage fiel Paul aus. Am Weg hinunter dachte ich ununterbrochen nach wie ich die Schöne anreden wollte und sollte. Endlich sah ich sie kommen, mein Herz schlug mir bis in den Hals und als wir auf gleicher Höhe waren….. brachte ich kein Wort heraus.
Sie kicherte zwar ein wenig, ging aber weiter. Hätte ja auch ein Wort sagen können, wenn sie schon sieht, dass ich alleine bin, die blöde Kuh, war meine spontane Reaktion. Ein paar Meter weiter hätte ich mir am liebsten selber eine geknallt und “Blöder,feiger Hund” war die mildeste Gabe, die ich mir zudachte. Wie man nur so ein Idiot sein konnte, so eine Chance zu vergeben.
Beim nächsten Mal hat sich Paul wieder in die oberste Liga gespielt, denn er sagte zu mir: “Wie ich dich kenne, hast du die Chance genutzt und dir ein Rendezvous ausgemacht”. Er war doch ein echter Freund und ein wissender dazu, sein Spruch war olympiareif. Aber ich musste ihn enttäuschen, die Puppe war an diesem Dienstag nicht gekommen, log ich ihm vor. “Sprichst du sie halt beim nächsten Mal an, wenn wir wieder gemeinsam hinuntergehen” war sein Vorschlag. Jetzt saß ich in der Klemme und es gab kein zurück mehr. Wenn mein Begehren nicht so gross gewesen wäre, hätte ich wahrscheinlich irgendeine blöde Geschichte erfunden. Aber richtig war, wenn ich an die Süsse dachte, bekam ich jedes Mal eine Latte, also da musste ich nun durch.
Das nächste Mal wurde ein qualvoller Abgang, die ersten beiden Kilometer ein einziges inneres Zerwürfnis und Paul redete und redete. Keine Ahnung was er geredet hat, ich war voll auf die Schöne konzentriert und anscheinend wie in Trance und hatte nicht bemerkt, dass wir schon vor der Berufsschule standen und Paul sich eben mit der Frage: “Und nachher im Cafehaus?” verabschiedete. War die Prinzessin anscheinend heute nicht arbeiten gegangen. Na dann halt beim nächsten Mal, war mein erster erleichterter Gedanke. Paul konnte wieder nicht, eine neue Baustelle war zu besichtigen und übrigens wollte er einen anderen Schultag wählen. Na gut. Aber das hieß auch, ich war alleine dran. Die Tage vorher verfolgte mich die Schöne schon bis in meine feuchten Träume und manche Schandtat war vollbracht, obwohl ich noch nicht einmal ihren Namen wusste.
Dann endlich war er da, Dienstag der 24.Mai 1960, ein schöner Tag. Obwohl es in der Früh noch ziemlich frisch war. Wieder zog ich mein Sonntagsgewand an und das ganz neue flotte Hemd mit dem doppelten Messingknopf oben am Kragen. Auch die Schuhe waren fast neu und so stolzierte ich selbstverliebt den Weg hinunter. Wie auf Kommando trat die Schöne auf, tief geschnittenes Dekolette, in einem Dirndl. Meine Worte trafen sie ganz automatisch, sie war im ersten Moment erstaunt und wirkte unsicher, ob sie denn stehen bleiben sollte. Ich brachte meinen Spruch zu Ende und wir trafen uns am Freitag am Matzleinsdorfer Platz beim Metropol-Kino (wenn ich mich nicht irre). Auf die Frage nach ihrem Namen nannte sie mir Sophie, aber alle sagen Sophia zu mir, aha. Sophie “Sophia” und Kurt trafen sich wie vereinbart. Ich eine Viertelstunde zu früh, sie eine Viertelstunde zu spät, trotzdem war ich erfreut und mein Herz machte einen Luftsprung. Was tun ? Gehen wir ins Cafehaus, ins Kino oder ins Dancing ? “Ins Cafehaus”, bestimmte sie. So wanderten wir die Reinprechtsdorferstrasse hinunter und gingen ins Siebenbrunnenstüber’l. Ganz hinten ins letzte Winkerl dirigierte ich die Sophiea, wie ich sie nannte. Wir bestellten und erzählten uns, was halt so zu erzählen ist. Alle Rosinen aus dem Kuchen wurden herausgepickt und serviert, hüben wie drüben. Wir plauderten recht angeregt, bis ich bemerkte, dass sie nervös immer wieder verstohlen auf die Uhr blickte. “Musst du schon nach Hause?” tat ich erstaunt, “Es ist doch erst halb zehn”. Ich war noch nicht drüber, aber auch schon knapp in der Zeit. Aber sie musste um 22 Uhr zu Hause sein, gestand sie mir und da müsste sie wohl jetzt weg. “Schade” sagte ich, “Eigentlich wollte ich noch auf ein Tänzchen ins Charles gehen”. Sie sah mich gross an und meinte “Wie lange darfst du denn ausbleiben?”. Meine weltmännische Antwort: “No limit”, war aber gelogen.
Obwohl ich mir noch nie vorschreiben habe lassen, wann ich nach Hause zu kommen habe und dementsprechend langen und heftigen Disputen mit meiner Mutter ausgesetzt war. Die meinte mit Strenge alles und jedes erreichen zu können und bei mir justament aber immer auf Granit biss. Und genauso wie sie bei ihrer Linie blieb, blieb ich bei meinem Kampf gegen das Establishment. Man muss ja klein anfangen.
Sophiea wurde zusehends nervöser, ich fragte sie, ob wir uns wieder sehen werden und als sie bejahte, gab ich ihr spontan einen Kuss. Plötzlich sagte sie: ”So jetzt muss ich aber, ruf mich an”, legte 10 Schilling und einen Zettel auf den Tisch, hauchte mir ein Busserl auf die Wange und weg war sie. Ich nahm den Zettel und sah eine Telefonnummer und darunter stand 17-18 Uhr. Wahrscheinlich die Zeit wo sie schon aus dem Büro zu Hause war und ihre Eltern gerade noch nicht.
Ja und so ging es die nächsten Monate, wir trafen uns zumindest einmal wöchentlich an allen möglichen und auch unmöglichen Orten und hatten uns schon ziemlich gut kennen gelernt. Auch unsere Körper hatten wir uns gegenseitig schon gezeigt und alle Stellen erkundet. Allerdings intim geworden waren wir noch nicht. Die Schmetterlinge schwirrten bei uns Beiden im Bauch, dass darf ich wohl behaupten. Anfangs Oktober war es dann so weit, Sophiea eröffnete mir, dass ihre Eltern am kommenden Wochenende wegfliegen und sie daher eine “sturmfreie” Bude habe und wenn ich will dürfte ich ab Samstag nachmittag bei ihr vorbeischauen. Und ob ich wollte. Sie sagte mir aber auch, dass sie auf ihre kleine zweijährige Schwester aufpassen muss und auf Bessy, den Pudel und daher nicht weggehen kann.
Obwohl ich ganz wurlert war und mir alles in den schönsten Tönen schon ausgedacht hatte, jetzt wo es so weit sein könnte, war mir doch etwas mulmig zumute. Nicht, dass ich nicht schon Kontakt mit der holden Weiblichkeit hatte, aber ehrlich mehr als Gefummel und Schwänzchenherzeigen war das ja wohl nicht.
Was habe ich mich an dem Samstag gewaschen, was heißt gewaschen, geschrubbt habe ich mich und eingecremt und das Tabak Original vom Papa geplündert. Die ganze Wohnung hat gerochen, mein kleiner Bruder rannte durch die Wohnung und schrie: “Der Kurti stinkt”. Mir war das alles egal, ich war voll konzentriert, auf mich. Es musste alles sitzen und passen. Um 15 Uhr rief ich an und Sophiea hob ab und flötete: “Ich warte auf dich”.
Die Erwartungen steigerten sich ins Uferlose und mit hochrotem Kopf und tiefroten Ohren begab ich mich auf die Gasse. Ich ging, ich lief, ich stolperte. Irgendwie bin ich in die Gegend der Flurschützstrasse gekommen, in das Wohnhaus von Sophieas Eltern eingetreten und habe dann auf 17 geläutet. Ein Kopf mit langen blonden Haaren öffnete mir und sagte fröhlich: “Hallo Kurt”, ich trat ein und fast wäre ich in Ohnmacht gefallen, denn Sophiea war splitterfasernackt. Ich wusste nicht wohin mit meinen Blicken, meinen Händen und überhaupt mit mir. “Na die Überraschung ist dir aber voll gelungen” brachte ich gerade noch heraus, da schlang sie ihre Arme um mich und wir küssten uns lange und leidenschaftlich. Und irgendwie nach Minuten, Stunden, Tagen landeten wir in ihrem Zimmer auf ihrem Bett. Dazwischen bellte irgendwo ein Hund und bald darauf begann ein Kleinkind zu plärren. Wir liessen uns davon nicht stören und gaben uns unserer jungen ungestümen Liebe hin. Mit der Dauer wurde es Sophiea aber zu viel und sie stand auf und ging in ein anderes Zimmer um das Kind und den Hund zu beruhigen. Nach wenigen Minuten war es ruhig, sie wieder bei mir und wir setzten leidenschaftlich fort. Es folgten Stunden unbeschwerter Fröhlichkeit. Doch dann kamen Szenen die mir alle Unbeschwertheit nahmen. Bei all dem Geknutsche und den Gefühlsausbrüchen kann es natürlich dazu kommen, dass das Bett zu klein wird und man auf dem Boden landet. Lachend taten wir halt zu ebener Erde weiter. Auf einmal merkte ich wie Sophiea so komisch zappelte und als ich sie fragte:”Hast du einen Krampf” schrie ein Kleinkind in unmittelbarer Nähe auf. Es war ein markerschütternder Schrei, Sophieas Reaktion darauf: “Susi verschwinde”. Ich löste mich und sah Susi mit blutverschmiertem Gesicht vor mir liegen. “Bist du verrückt Sophiea, schau was du angestellt hast” war mein erzürnter Ausruf. Ihre Reaktion darauf war mehr als erschütternd: “Die geht mir nur auf den Nerv, wie der Hund”. Alle meine aufgewühlten Gefühle waren mit einem Mal ganz flach und leer. Ich sprang auf, ging ins Badezimmer und holte einen Waschlappen und ein Handtuch. Sophiea kam nach und fragte: “Gehen wir gemeinsam baden?” Ich blickte sie erstaunt an und merkte meine Sophiea hatte einen mächtigen Sprung bekommen.
“Bist du blöd, ich schaue noch einmal nach der Kleinen, dann ziehe ich mich an und bin weg, du bist ja ein Satan”. Sie sah mich mit hasserfüllten Augen an, die sich langsam mit Tränen füllten, dann rannte sie weg. Ich ging zu der Kleinen, das Blut war schon angetrocknet, aber es dürfte nur Nasenbluten gewesen sein, denn trotz meiner Rubbelei weinte sie nicht mehr, danach zog ich mich an und ging.
Es war, als wäre etwas in mir gestorben, so unendlich traurig und alleine fühlte ich mich. Auf der Strasse angekommen, blickte ich nach einigen Metern zurück und sah noch wie sich der Vorhang bewegte.
Nie wieder wollte ich dem schönen Mädchen mit dem Sprung begegnen.
Doch das Schicksal meinte es nicht besonders gut und ein paar Jahre später als ich den DJ in einem Dancing namens Victoria machte, sah ich sie im Zuge einer besoffenen Polterabendgeschichte wieder und landete unerkannt mit ihr in einem Stundenhotel, wo wir unsere gemeinsame Vergangenheit wiederentdeckten. Und zu allem Überdruss heiratete sie einen meiner besten Schulfreunde, den Felix. Also das Mädchen hatte einen Sprung bekommen, aber wirklich durch und durch.
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ICH WOLLTE IMMER SCHON …
ein Märchen schreiben. Seit meiner Kindheit, besser gesagt, seit meiner Schulzeit, nach Erlernen des kompletten Alphabets hatte ich immer den Wunsch ein solches zu schreiben. Und obwohl es schon viele Jahrzehnte her ist, wusste ich damals schon die Namen der Titelhelden. Der eine war Reiner Stuhlgang, der Sohn des Apothekers und der andere war Rainer Zufall, der Sohn des Leichenbestatters. Aber ich scheiterte seither immer daran, dass man Reiner so leicht mit Rainer verwechselt und wenn gerufen wurde, immer Beide angerannt kamen und das wollte ich damals schon nicht und will ich auch heute nicht. Obwohl, heute wäre es schon leichter, denn Rainer ist schon tot. Er wurde anscheinend von Trara der Schneckenpost überfahren, als er gerade wieder einmal an eine Hausmauer pinkelte, der Saubazi und das mit 57, als Vater von drei unehelichen Kindern.
Er hatte ja mordsmässiges Pech in seinem Leben. Das fing an als er den elterlichen Betrieb übernahm, da fielen ihm bei der Abholung zweimal die Särge aus der Hand, einmal hing der Tote überm Stiegengeländer und das zweite Mal passierte das auf der Strasse und der Verblichene lag mitten auf derselben. Ja und von da an bekam er nur mehr Gelegenheitsjobs, denn wer nimmt schon einen Leichenbestatter, dem die Leichen aus der Hand fallen.
Und nicht viel anders ging es ihm mit den Frauen. Er hatte zwei Bekanntschaften und drei Intimkontakte, daraus entstanden – oh Wunder – drei Kinder. Liebe Kinder, brave Kinder, schöne und gescheite Kinder, so gar keine Ähnlichkeit mit dem Rainer und wer will schon Zufall heißen und damit war dieses Kapitel auch erledigt.
Manchmal wenn er wieder bei seinem Seelentröster saß, beim Wein, dann gab er Folgendes von sich: es wäre gescheiter gewesen, der Papa hätte mich in ein Lavoir gespritzt und ich wäre ein Krokodil geworden und ein paar Gläser weiter stammelte er von Kroko-Phanten und Ele-Dilen. Beim Heimgehen pinkelte er dann an alle möglichen Hausmauern und Bäume und oft genug wurde er deswegen beschimpft und verdroschen.
Ja und eines Tages fand man ihn. Er hatte sich an einem Alleebaum aufgehängt und hatte sich eine Tafel mit eben diesem Text umgehängt: „Mein letzter Wille. Bitte schreiben sie: Herr Rainer Zufall wurde von Trara, der Schneckenpost überfahren. Ich danke Ihnen.“
Er trat aus dem Leben wie er ins Leben getreten ist, per Zufall der Rainer Zufall.
Was ist denn das für ein Märchen ? Genau das dachte ich mir jetzt eben auch. Eben ein Märchen für Erwachsene, denn ein Märchen ist ja eine fantastische Geschichte, genau, ja haargenau.
Ja und wie war das mit dem Reiner Stuhlgang ? Obwohl sein Name das nicht hergab, hatte er es wunderbar getroffen, denn als Sohn des angesehenen Apothekers war sein Leben um viele Basics reicher und daher leichter als das von seinem Freund Rainer Zufall. Und doch mochte der Reiner den Rainer, irgendwie stand er ihm nah und verwegene Behauptungen wurden manchmal aufgestellt. Die sind ja wie Brüder und die Frau des Bürgermeisters sagte sogar, manchmal sehen sie sich sogar ähnlich. Aber da sie schielte, waren ihre Worte Schall und Rauch.
Er hatte nicht nur einen häßlichen Namen, er war es auch wirklich. Das eine Auge war von Geburt ein wenig höher angesiedelt als das andere und verlieh seinem Gesicht etwas cyclopenhaftes und nach dem schweren Unfall mit 14 war auch seine obere Gesichtshälfte etwas deformiert und verlieh ihm etwas dämonenhaftes. Anscheinend als Ausgleich für diese Verstümmelungen hatte er nach seinem Stimmbruch eine tolle Stimme bekommen und war blitzgescheit. Und neben seinem gewinnenden Wesen konnte er auch die beiden anderen Instrumente, Stimme und Wissen, dank seiner Intelligenz hervorragend einsetzen. Er war allgemein beliebt bei Mädchen und Jungen und seine Eltern unterstützten ihn wo es ging. Und er unterstützte rührend seinen Freund Rainer. Irgendwann aber kam es zum Bruch, denn Reiner durfte nicht zum Militär, während Rainer sehr wohl seinen Vaterlandsdienst ableistete und sogar verlängerte. Reiner war erst verärgert, doch dann nutzte er diese Zeit fürs Studium und zog auch in eine andere Stadt. Dort promovierte und heiratete er auch. Als er mit seiner wunderschönen Frau Desiree und den Kindern Amelie und Eugen zurückkehrte, suchte er nach seinem alten Freund Rainer. Er fand ihn total heruntergekommen und wollte ihm wieder auf die Beine helfen, aber nachdem dieser ihn mehrmals bestohlen hatte, war es sehr zum Leidwesen von Reiner mit dieser Freunschaft vorbei. Hie und da erkundigte er sich, aber mehr nicht. Seine Frau bekam noch ein drittes Kind, welches nach langem Hin und Her, Rainer getauft wurde.
Ja und jetzt trafen sie sich wieder, am Friedhof. Der Eine im dunklen Anzug und der Andere im Holzpyjama. Reiner war in Tränen aufgelöst, als sein alter Freund Rainer in die Tiefe hinabgelassen wurde und musste von seinen Söhnen gestützt werden, als er Abschied nahm, so untröstlich war er.
Und als Reiner zurückging zum Friedhofsausgang löste sich aus einem der Bäume ein Schatten. Aus seinen tränenüberfluteten Augen konnte er schemenhaft erkennen, daß das doch ihr Schulpfarrer war. Ach Gott war das lange her. Dieser alte Mann kam auf ihn zu, begrüsste ihn und sagte mit leiser, gebrechlicher Stimme: „Reiner ich habe eine wichtige Nachricht für Dich. Können wir reden?“. Sie gingen noch ein paar Schritte wortlos nebeneinander und setzten sich dann auf eine Bank. Reiner musste sehr nahe an den alten Mann heranrücken um ihn zu verstehen. Dieser erzählte ein wenig von den Zeiten damals, um dann ganz plötzlich zu sagen: „Reiner, Rainer war dein Bruder, dein wirklicher Bruder. Er war der Ältere von euch Beiden, daher das A im Vornamen. Ihr wurdet als uneheliche Zwillinge geboren und eure Mutter starb bei der Geburt und da ich sie gut kannte habe ich mich bemüht euch gut unterzubringen“. Reiners Augen füllten sich wieder mit Tränen und ein wenig fühlte er wie Zorn in ihm hochkam.
Da spürte er die kalte Hand des alten Mannes auf der seinen und als er ihn ansah, sah er, dass auch dieser Tränen in den Augen hatte. Und plötzlich, wie ein Aufbäumen ging es durch den alten Körper, sagte dieser: „Ich bin der Vater“ und sank in sich zusammen.
Er war tot.
Hallo, finde deine Geschichten sehr interessant. habe bei „das Mädchen mit dem Sprung“ lächeln müssen. Da konnte ich mir richtig die „noch“ verklemmten 60er vorstellen. Auch wenn ich da erst geboren wurde.
[...] m 2 [...]
Deine Geschichten sind sehr gut geschrieben, doch
warum ist das Ende der Geschichten sooooooooooo traurig ….????
Schon mal die paar Zeilen am Anfang gelesen, Radenkovic.
hi…
wow…