1x tot=genug Abschnitt 22:
Wir gingen rasch in die Kasernenkantine, ich nahm zwei Brötchen und ein Cola-Zero mit Zitrone, der Oberkommissar langte voll zu: Berner Würstel, doppelte Pommes-Fuhre und eine Limonade. Auf eins, zwei, drei hatten wir das verdrückt und eilten wieder zurück um unser Gespräch fortzuführen.
So, wir waren bei der McCaffely, also die muss trotz ihrer Sechzig eine sehr attraktive Frau sein oder gewesen sein, denn auf vielen Bildern die wir fanden und es gibt davon genug, waren fast immer Männer mit dabei und meist deutlich jüngere. Na gut Geld hatte sie ja auch wie Heu. Anscheinend war sie auch eine Anhängerin der Freikörperkultur, denn auch davon gab es jede Menge Bilder und sie sieht darauf immer sehr appetitlich aus. Interessant und zu vermerken ist, das sie in zweiter Ehe mit einem bulgarischen Zirkusdirektor fast ein Jahr, ich glaube 1995, verheiratet war. Vielleicht hatte sie da zu dem 2ten Mann Kontakt, aber wir suchen noch nach dem Zirkusdirektor. Von ihrem Auto und ihr fehlt nach wie vor jede Spur. Sie muss sich aber trotzdem ziemlich abgekapselt haben, denn obwohl wir hunderte Telefonnummern gefunden haben, kann bis dato niemand nähere Details machen, was ihren sonstigen Umgang und auch ihre Geschäfte ein wenig beschreibt. Und sie dürfte aufgrund der gefundenen Korrespondenz keine angenehme Geschäftspartnerin gewesen sein. Für die heutige Zeit sehr verwunderlich, weder bei ihr noch in den Geschäften gibt es einen Computer. Alles mit Rechenmaschinen und Paragons. Leider sind ihre betagten Eltern im Vorjahr bei einem Flugzeugunglück in Mexiko ums Leben gekommen. Also sie sehen, wir gehen allen möglichen und unmöglichen Spuren nach.
Er merkte, dass ich auf die Uhr gesehen hatte, es war 14:50 Uhr und merklich nervös am Sessel herumrutschte. Herr Schaller, ich werde mich beeilen, aber wir müssen das heute erledigen. Sie müssen wissen was wir wissen und vielleicht hilft ihnen das bei der einen oder anderen Überlegung, Beobachtung oder Idee. So und nun zum großen Fragezeichen, dem Langen, wie sie ihn so gerne bezeichnen. Also der ist und bleibt vorerst für uns der große Unbekannte, ebenso die junge Frau. Einzige Hinweise bieten der Mercedes, der gehört der russischen Botschaft bzw. dem Botschafter persönlich und der Hubschraubereinsatz, denn der wurde ebenso von einer Botschaft angesucht. Mehr konnte oder wollte man uns nicht zu dem Thema sagen, wenn wir mehr wissen wollen, müssten wir uns an die Staatspolizei wenden.
So und jetzt kommen wir zum zurzeit wundesten Punkt, dem Attentat auf ihre Frau und unseren Kollegen. So hart es jetzt auch klingen mag, aber alle Beweise deuten darauf hin, dass unser Kollege ein Opfer einer Verwechslung geworden ist und höchstwahrscheinlich das Attentat ihnen Herr Schaller gegolten hat. Beweggründe dafür kennen wir noch keine, aber auf Grund der Abläufe lassen sich derzeit keine anderen Schlüsse ziehen. Da musste ich aber ganz tief schlucken. Aber wieso ich ? Na ja irgendwie ist da etwas schief gelaufen, möglicherweise zwischen dem Langen und ihnen, aber genaues wissen wir auch nicht. Es sind die Fotos ein Hinweis, sowohl von oben aus dem Hubschrauber, als auch von der jungen Frau aus dem Auto und auch die Frage die er Ihnen stellte, ob sie sich nicht schon einmal gesehen hätten, deutet entfernt darauf hin. Die beiden Schüsse auf ihre Frau dienen nur zu deren Einschüchterung, die beiden Schüsse in den Kopf sind eine aber echte Hinrichtung, da der Schütze sie anscheinend nicht persönlich kennt, hat er wahrscheinlich den Kollegen – da er auch im Trainingsanzug war – für sie gehalten und das war für ihn fatal. So Herr Schaller und hier endet meine Erzählung, haben sie noch Fragen ? Ja eine ganze Menge und zwar: wenn ich sie Herr Oberkommissar jetzt richtig verstanden habe fehlen derzeit vier Personen die Frau McCaffely, der Lange samt Begleitung und der Schütze. Er nickte bejahend und ergänzte auf seine Art: lassen sie ab jetzt den Oberkommissar weg, das spart Zeit und ich würde sagen, den Zirkusdirektor nicht vergessen, also sind es fünf. Give Me Five, leicht zu merken, verkündete er noch mit leicht ironischem Ton. Aber Herr Schaller wir haben noch ein riesengroßes Problem und zwei meiner Mitarbeiter sind abgestellt, der eine ist bei der Witwe des Kollegen und der andere bei ihrer Frau. Als er sah, dass ich ziemlich heftig reagierte, beeilte er sich sofort noch daran zu hängen, dass hat aber nichts mit den beiden Damen zu tun. Also gut, was denn sonst ? fragte ich erleichtert. Wahrscheinlich glauben Täter und Auftraggeber, dass sie tot sind und in diesem Glauben wollen wir sie lassen. Das heißt, die Witwe wollen wir verreisen lassen und wenn sie unbedingt will, dann am Reiseziel erst das Begräbnis abhalten und ihre Frau wollen wir fragen ob sie es zustande bringt über drei bis vier Wochen eine Witwe spielen. Wir werden beide Damen nach bestem Wissen und Gewissen unterstützen, was aber auch heißt, dass sie Herr Schaller die Kaserne vorerst nicht verlassen dürfen. Erst bis sich die Damen entschieden haben, dann können wir sehen, wie wir weiter vorgehen.
Ich war so sauer auf den Oberkommissar, aber richtig stinksauer, doch er hatte leider nur zu Recht. Und bevor ich mein halbes Leben wegwerfe, spiele ich halt mit. Wobei, jetzt kam mir das erst richtig in den Sinn, ich hatte da überhaupt nichts zu sagen oder zu bestimmen, mit mir wurde gespielt und über mich wurde bestimmt. Und wie ich da so saß und die Gedanken durch die leeren Gehirngänge sausten, spürte ich auf einmal ein heftiges Rühren im Bauch und ich wusste im ersten Moment nicht, hinten oder vorne. Auf jeden Fall raus auf das WC. Rechts die dritte Tür, rief mir der OK nach.